Filter Bubble – mit Scheuklappen durchs Internet 3

Analysen

Filter Bubble – mit Scheuklappen durchs Internet 3

Filter Bubble – mit Scheuklappen durchs Internet 3

In den ersten beiden Teilen dieser Artikelserie ging ich auf die zunehmende Personalisierung  ein. Dazu betrachtete ich exemplarisch im ersten Teil der Serie Facebook und Google in Teil zwei. Obwohl das nun schon etwas her ist möchte ich heute in diesem dritten Teil ein Fazit ziehen.

Dazu gilt es zunächst die zentralen Punkte der zunehmenden Personalisierung im Internet aus den ersten beiden Teilen zusammenzufassen.

Punkt 1: Es gibt eine zunehmende Personalisierung.

Keine besonders überraschende Erkenntnis. Bekannt ist diese Personalisierung ja bereits von diversen Shopping Seiten, deren promintester Amazon ja bekannt dafür ist, immer tolle Vorschläge zu haben, was denn für mich interessant sein könnte. Auch dürfte den meisten Internetnutzern schon die personalisierte Werbung aufgefallen sein, die einem auf allen möglichen Seiten begegnet und die immer solche Produkte bewerben die man sich vor nicht allzu langer Zeit auf der ebenfalls beworbenen Seite angesehen hat. Ich denke, dass viele User diese Zusammenhänge erkennen auch wenn vermutlich nicht alle wissen wie man das durch das Ausschalten bzw. Löschen von Cookies etc. verhindern kann, so stellt diese personalisierte Werbung meiner Meinung nach, noch kein wesentliches Problem dar. Diese Werbung kann nervig sein, aber die Konsequenzen dürften sich in Grenzen halten. Nebenbei bemerkt, denke ich, dass es auch den Werbenden nicht so viel bringt ständig dieselben Produkte einzublenden. Wenn ich mir zum Beispiel ein Notebook gekauft habe will ich in der Regel nicht sofort noch ein neues. Ich halte diese Werbung daher für ineffizient in höchstem Maße. Aber darum geht es in diesem Artikel letztendlich auch nicht. Denn die Personalisierung bleibt nicht nur auf Produktvorschläge beschränkt. Verstärkt werden auch die Inhalte auf Seiten wie Facebook und Google personalisiert gefiltert.

Punkt 2: Personalisierte Filter werden immer mehr auch in Informations- und sozialen Angeboten eingesetzt

Nichts anderes sind Facebook und Google. Gerade der Suchmaschinengigant sollte ja eigentlich dafür stehen den Usern informationen bereitzustellen und Dinge im Internetdschungel zu finden. Dabei geht jeder davon aus, dass die Ergebnisse die man bei einer Suche erhält die objektiv relevantesten sind, wenngleich man über die Bezeichnung “objektiv” sicherlich streiten kann. Durch die Personalisierung der Suchfunktion werden die Ergebnisse jedoch subjektiviert, allerdings nicht von einem selbst sondern von der Suchmaschine, die automatisch für den User entscheidet was für ihn wichtig ist. Das ist zumindest problematisch, weil die Möglichkeiten diese Filter zu beeinflussen äußerst gering sind.

Ein ähnliches Problem gibt es bei Facebook, das glaubte, die Flut an “Neuigkeiten” im News-Feed ebenfalls durch einen personalisierten Filter kontrollieren zu können. Der Facebook Filter führt dazu, dass Meldungen von “Freunden” zu denen man nur selten Kontakt hat, irgendwann automatisch ausgeblendet werden bzw. gar nicht erst erscheinen. Was zunächst sinnvoll klingt hat jedoch den ein oder anderen Haken. Erstens fallen die Meldungen weg von Kontakten die man nur passiv nutzt, wie zum Beispiel von Konzertveranstaltern. Gabs lange keine interessanten Konzerte, die man angeklickt hat, so werden irgendwann die Meldungen ausgeblendet und man verpasst möglicherweise passende Veranstaltungen. Die Tatsache, dass man nur noch Neuigkeiten von den Leuten erhält, mit denen man sowieso viel kommunziert, kann die Wirklichkeit verzerren, da alle derselben oder einer ähnlichen Meinung zu sein scheinen, alle ähnliche Interessen haben. Der Blick über den Tellerrand wird versperrt. Durch die Filter entsteht eine Blase und nur darin bewegt sich der User noch, die sogenannte Filter Bubble, ein Begriff der insbesondere von Eli Pariser geprägt wurde.  Die Tatsache, dass Facebook nicht mehr nur ein soziales Medium darstellt, sondern auch immer mehr Menschen Nachrichten vorrangig durch Empfehlungen über Facebook  lesen, macht die Seite auch zu einem Informationsangebot, was die Personalisierungen umso problematischer macht.

Punkt 3: Dier Personalisierungen kommen schleichend bis heimlich und sind nicht transparent

Die personalisierten Filter kamen insbesondere bei Google in einer schleichenden Form. Sie haben sich durch die Hintertür der angemeldeten User eingeschlichen und wurden dann auf alle Benutzer ausgedehnt. Das alles wurde zwar im googleblog erwähnt, was jedoch die Heimlichkeit nicht wirklich in Frage stellt, denn der Blog wird wohl nur von wenigen gelesen und diejenigen haben es dann auch nicht wirklich in die Öffentlichkeit getragen. Die Personalisierung der Suchfunktion wurde also wie jede andere Weiterentwicklung einfach eingepflanzt und es wurde nicht groß darauf hingewiesen, was meiner Meinung nach notwendig gewesen wäre, denn immerhin handelte es sich nicht um eine Funktion die die Suche schneller macht oder verbessert, sondern um eine, die die Suchergebnisse bisweilen erheblich verändert. Noch dazu sind die angeblich 57 Kriterien nach denen die User in Gruppen eingeteilt werden selbstverständlich für den Nutzer nicht nachvollziehbar. Und die einzige Möglichkeit für nicht angemeldete User die Personalisierung abzuschalten existiert nicht mehr, was aber sowieso nur die wenigsten bemerkt haben dürften. Wer also die Personalisierung aussalten will ohne angemeldet zu sein muss den Suchverlauf und die Cookies löschen und ich wette wenn ich raus auf die Straße gehe und 20 Leute frage wissen das nur 2-3 von denen.

Bei Facebook kam der personalisierte Filter nicht schleichend, sondern plötzlich, dafür aber noch einen bisschen heimlicher. Ich weiß nicht genau ob es ene Meldung dazu gab, wenn dann hat sie wohl niemand bemerkt. Allerdings hat sich der Filter gleich auch als Standard gesetzt und wurde so dann auch irgendwann bemerkt, wie auch die Möglichkeit ihn auszuschalten. Hat man das rausgefunden ist es auch schade, dass es keine Einstellmöglichkeiten gibt außer an und aus. So wurden sowohl bei Google als auch bei Facebook vollendete Tatsachen geschaffen, wobei die “Basta-Mentalität” bei Facebook wie ich finde noch ein bisschen ausgeprägter war, aber das kennt man ja.

In diesem Zusammenhang gibt es von Jakob noch einen älteren Beitrag in dem er das Thema gewissermaßen von Seiten der Seitenbetreiber beleuchtet.

Diskussion

Ein Kommentar zu “Filter Bubble – mit Scheuklappen durchs Internet 3”

  1. Toller Artikel, tolle Serie. Die heimliche Personalisierung von z.B. finde ich auch irre! Es ist wirklich unglaublich, welche Unterschiede da in den SEPRs teilweise sind. Ich habe da mal ein tolles Video gesehen. Ist in unserem Blog, einfach mal durchsurfen.
    Es wird immer schwerer z.B. mit Freunden sich über Suchergebnisse zu unterhalten….außerdem schwanke ich nicht, denn ich möchte ja eigentlich selbst entscheiden, welche Seiten mir angezeigt werden und welche nicht. Wobei man auch sagen muss, dass es zu einem wirklichen Informations-Overload gekommen ist.
    Wir werden sehen, wo die Reise hingeht!

    Posted by Iris | Juli 4, 2011, 14:43

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