Bekanntermaßen bin ich Softwareentwickler. Bekanntermaßen bin ich aber auch redefreudig und in der Lage einen Sachverhalt adäquat und verständlich in ein hübsches kleines Wortgewand zu kleiden. Dies ist bei Softwareentwicklern keine Selbstverständlichkeit, wie mir bei der täglichen Arbeit regelmäßig gezeigt wird. Interessanterweise wurde mir dieser Aspekt neulich bei einer Projektbesprechung wieder vor Augen geführt. Der Projektverantwortliche sagte: “Weißt Du warum wir uns für Dich entschieden haben?” – “Nein” – “Weil Du einer der wenigen Softwareenwickler bist, die dazu in der Lage sind einen verständlichen deutschen Satz zu formulieren. Deine fachlichen kompetenzen können wir ohnehin nicht beurteilen.”
Aha. Das ist es also? Ich werde ausgewählt, weil ich einen verständlichen Satz formulieren kann? Das scheint mir kein besonders gutes Kriterium für die Auswahl seiner Angestellten zu sein. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich wohl genauso auswählen würde. Als jemand der sich tagtäglich mit der Materie befasst und durchaus auch dazu in der Lage ist fachliche Kompetenzen im Bereich der Entwicklung zu beurteilen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich es gut finde, wenn ich mich mit einem Programmierer betrinken kann. Wenn ich keine Angst haben muss mich mit ihm auf der Straße zu zeigen und wenn er nicht sofort in sich zusammenzuckt, wenn man das Wort “Frau” in den Mund nimmt. Ich bin aber ebenso zu dem Schluss gekommen, dass ich derart viele Entwickler von der genannten Antisorte kenne, dass ich mitlerweile auch mit ihnen als Projektteilnehmer leben kann. Ich bin sogar dazu in der Lage aus ihrem soziophobischen Gestammel einen einen Geschäftsührungstauglichen Satz zu machen.
Dennoch gibt es eine Sache die ich aus tiefsten Herzen ablehne. Und ich würde auch jedem Geschäftsführer oder Projektverantwortlichen, der sich mit der Einstellung von Softwareentwicklern befassen muss, dazu raten sie abzulehenen: Leidenschaftlosigkeit. Ein Softwareentwickler, insbesondere einer in einer verantwortungsvollen Position muss das Projekt leben. Er muss es leben, er muss es lieben, er muss das Projekt sein. Ein Softwareentwickler der den Server zum Absturz bringt und dann nach Hause geht nur weil wir 17 Uhr haben hat eine Abmahnung verdient. Das ist auch schon alles, was man dazu sagen muss.
Ich würde noch hinzufügen, dass du eine Gute-Nacht-Bettgeschichten-Stimme hast. Aber ich würde dich nicht nur deswegen einstellen
Klar gibt es viele Entwickler, die dem Klischee entsprechen. Aber der letzte Abschnitt mit dem Serverabsturz und danach heimgehen ist schon sehr wichtig. Das sollte man nicht tun. Ich kann es mir sowieso nicht erlauben, da am nächsten Tag sonst keiner mehr arbeiten kann.
Ich wünsche frohe und erholsame Festtage.