Der Nutzen “freier” Software

Analysen

Der Nutzen “freier” Software

Der Nutzen “freier” Software

Ständig liest man in einschlägigen Fachmagazinen oder Blogs Beiträge zum Thema OpenSource und freier Software. Nützlich, sinnvoll und sicher sind häufig vorkommende Adjektive in diesem Zusammenhang. Doch darf man sich schon noch ein paar Fragen dazu stellen. Denn das Hauptargument, Kontrolle über die eingesetzte Hard- und Software zu erlangen, ist extrem weit hergeholt. Auch wenn es diese Thematik bisweilen in den Fokus deutscher Feuilletonisten gerückt wird, bleibt einer der wichtigsten Punkte häufig vernachlässigt.

Die Hauptargumente der Freiheit

  • ein System nach Belieben untersuchen zu können
  • ein System nach Belieben verändern zu können
  • potentiell sicherere Software einzusetzen als andere

treffen auf den überwiegenden Teil der Nutzer solcher Software überhaupt nicht zu. Mal ehrlich: wie viele Menschen sind tatsächlich in der Lage den Sourcecode einer umfangreichen Software zu lesen oder zu verstehen? Von der Anpassung derselben ganz zu schweigen. Auf diese Weise schwirrt eine Menge OpenSource ungeprüft im Netz herum.

Sicherheitslücken? – Unbekannt. Enthaltener Schadcode? – Vielleicht, wer weiß das schon?

Die von vielen beschworene Demokratie existiert schlichtweg nicht. Es ist ein bisschen wie in der Politik. Wir wählen ein Parteiprogramm. Was davon wirklich umgesetzt wird ist höchst fraglich. So verhält es sich im Grunde mit jedem Softwareprojekt. Was am Ende dabei rauskommt ist nur schwer abzusehen. Ist eigentlich schon jemandem aufgefallen, dass nur eine sehr kleine Elite überhaupt in der Lage ist, ein komplexes Softwaresystem in seine Bestandteile zu zerlegen?

Die Gruppe der potentiellen hüter des OpenSource Gedankens schmilzt weiter, wenn man bedenkt, dass von den Leuten die von ihren Möglichkeiten gebrauch machen könnten nur sehr wenige es tatsächlich tun.

Ja, toll dass Android mir die Veränderung meines Mobiltelefons ermöglicht. Mache ich davon gebrauch? Nein. Könnte ich? Wahrscheinlich.  Viel naheliegender ist es ein gewisses Vertrauen, denjenigen entgegenzubringen, die davon gebrauch machen. Doch was wenn der Schuss mal nach hinten losgeht und eine populäre Applikation dabei herauskommt, die am Ende die Weltherrschaft an sich reißt? Ich will natürlich nicht den Teufel an die Wand malen. Ich gebe lediglich zu bedenken, dass die freiheitlichen Argumente von OpenSource für den einzelnen nichts Wert sind. Er muss sich auf das Urteil der neuen Götter in Weiß verlassen. Und so bleibt für den gemeinen Nutzer dieser Software nur noch ein Argument: der Preis.

Nun kann man sich natürlich die Frage stellen: Wo nehmen die OpenSource beteiligten ihr vieles Geld her? Sei es die Apache Software Foundation oder JBOSS, oder sei es einfach nur der gemeine OpenSource-Committer. Irgendwie scheinen alle über ein prall gefülltes Konto zu verfügen. Zum einen währen da kommerziell entwickelte Systeme auf Basis von deren eigener OpenSource Software. Auf diese Weise läuft eben einige über Premium. Zum einen lässt sich kostenfreie Software wunderbar über Freemium Modelle refinanzieren. Die Dokumentationen der Systeme sind teilweise derart schlecht, dass man nicht umhin kommt sich für ein paar 1000 Euro einen Berater ins Haus kommen zu lassen, der das Problem behebt. Und zwar in der Regel deshalb, weil er das System selbst geschrieben hat. Ich bitte solche Sachverhalte zukünftig zu bedenken, wenn mal wieder jemand das bedürfnis hat über die demokratischen Aspekte angeblich kostenfreier Softwaresysteme zu schreiben.

Diskussion

5 Kommentare zu “Der Nutzen “freier” Software”

  1. Wie Sie schon sagten: Nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Ich habe auch sehr gute Erfahrungen mit OpenSource-Software gemacht (Streber PM zum Beispiel), und der Support hat auch einwandfrei funktioniert, wiewohl man natürlich ein klein wenig Geduld mitbringen musste.

    Posted by Michael | Mai 18, 2010, 11:56
  2. „…Die von vielen beschworene Demokratie existiert schlichtweg nicht. Es ist ein bisschen wie in der Politik. Wir wählen ein Parteiprogramm. Was davon wirklich umgesetzt wird ist höchst fraglich…“

    So ist es! Open Source ist teilweise zu einer Ideologie verkommen, jeder der diese auch nur in Frage stellt, wird verdammt oder als (noch) unwissend bemitleidet. OSS gibt dem Gutmenschen das wohltuende Gefühl des „Politisch-Korrekt-Seins“…

    Posted by uniquolol | Mai 24, 2010, 02:43
  3. Ich denke nicht, dass in bekannter Open-Source Software Schadcodes enthalten sind. Die müssen ja damit Geld verdienen, auch wenn das Geld nicht direkt vom Verkauf der eigenen Software kommt. Wer würde denn noch Sponsorengelder oder Spenden hinterlassen, wenn derartige Gerüchte aufkämen?!

    Posted by Michael Freitag | Juni 11, 2010, 15:01
  4. Sie vertreten hier eine sehr einseitige Sicht der Dinge, und vergleichen zum Teil auch Äpfel mit Birnen. Gerade Apache zum Beispiel wird von einer Foundation getragen, einer Vielzahl von Unternehmen, welche alle im Bereich des Netzes Ihre Gewinne machen. Natürlich auch mit Support. Die eigentliche Software (und das ist weit mehr als nur der Server) ist hingegen tatsächlich kostenlos zu haben, und dafür benötige ich auch keinen Support.

    Zu Ihrem “Freemium” möchte ich sagen, zeigen Sie mir mal eine Firma, die ClosedSource vertreibt, welche NICHT Beraterleistungen in schwindelerregenden Höhen anbietet. MS, SAP, Oracle, alle diese Firmen bieten Beraterverträge, und diese werden auch gebucht.

    Der Gedanke von Open-Source ist, dass man gemeinsam an einem System arbeitet, und die Arbeit eines Einzelnen für alle nutzbar wird. Natürlich ermöglicht dies auch sogenannte Peer-Reviews, aber der wesentliche Nutzen ist der gegenseitige Austausch. Und dies entspricht tatsächlich einem demokratischen Prinzip.

    Posted by Roland | Juni 23, 2010, 14:00
  5. Gerade große OSS-Projekte scharen in der Regel eine Community um sich, die den kommerziellen Support von CSS-Anbieter in der Regel in den Schatten stellen. Desweiteren muss man nicht Programmierer sein, um OSS erweitern zu können, man kann auch Graphiker, Musiker, Webmaster, Servicedienstleister etc.pp. sein, um OpenSource anzupassen, zu erweitern, kopieren, verkaufen, dokumentieren und so weiter. Nur wer keine Ahnung vom OSS-Ökosystem hat, kann einen derart unreflektierten und sinnlosen Artikel schreiben wie den, der hier vorliegt. Derjenige kann aber genausowenig über CSS urteilen, geschweige denn auch nur irgendwas anpassen, ohne dass der Rechteinhaber ihm auf die Finger klopft. Das sind die Rechte, die man durch den Einsatz von OSS erhält. Niemand behauptet, daß OSS fehlerfrei ist, genausowenig wie CSS. Aber man hat die Freiheit und die Möglichkeit Fehler und Schwachstellen nachzuvollziehen. Die Haltung, die der Autor dieses Artikels vertritt, ist offensichtlich “Was ich nicht verstehe lehne ich ab.” Und auch dieses durcheinanderwerfen der Begriffe “opensource” und “kostenlos” zeigt, dass der Autor wirklich keinerlei Ahnung hat. Für einen technikaffinen Blog ist das nichts als peinlich, aber fragen Sie doch mal bei der Computerbild nach, die brauchen solche Leute.

    Posted by G. Rütze | Juli 12, 2010, 12:39

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