Ich habe heute wieder einen Beitrag über ein interessantes LBS-Startup (nein, nicht die Bausparkasse, sondern LocationBasedService) gelesen. Dort hieß es im Wesentlichen. Es sei ja alles schön und gut, aber eigentlich unvermeidbar, dass das Unternehmen am Ende für viel Geld verkauft wird. Ansonsten hätte ein deutsches Startup ohnehin nicht wirklich die Chance irgendwie auf dem globalen Markt zu bestehen. Ich teile diese Ansicht nicht. Zum einen ist es unter Umständen gar nicht wünschenswert über einen bestimmten lokalen Radius hinauszuwachsen. Zum anderen macht es auch nicht immer sinn. Mir nützen die 400Mio. Facebook Mitglieder rein gar nichts. Selbst wenn ich vereinzelt bekannte im Ausland habe, ist der Overhead an Usern die mich nicht interessieren und das ‘amerikanische Styling’ von Facebook eher ein Nachteil. Insofern ist davon auszugehen, dass Studivz & Co durchaus eine monetarisierbare Existenzberechtigung in der deutschen Nische besitzen.
Viel wichtiger finde ich allerdings einen ganz anderen Aspekt. Der Verkauf eines Unternehmens, sei er noch so lukrativ, macht nicht glücklich. Was mich wundert ist der Umstand, dass die gesamte, über Verkäufe spekulierende, Tech-Blogger-Szene nicht einen Gedanken daran verschwendet, dass der Betrieb eines interessanten Webdienstes auch einfach nur Spaß machen kann. Möglicherweise spielen Monetarisierungsaspekte nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle. Entweder weil sich ein Dienst gar nicht monetarisieren lässt, oder weil es auch sonst keinen Grund gibt damit Geld verdienen zu sollen, müssen, können, etc. pp.
Insofern bin ich von einer Abkehr der amerikanisierung der deutschen Startup-Szene. Ein Unternehmen, dass darauf ausgerichtet ist verkauft oder gekauft zu werden ist meiner Ansicht nach schon deshalb zum scheitern verurteilt, weil die Geduld fehlt. Die Innovationskraft lässt nach, sobald die erste Million auf dem Konto der Gründer liegt. Der Anreiz noch irgendwas aus dem Projekt zu machen erledigt sich sozusagen schon vor Profitabilität des Startups. Das dürfte einer der Gründe dafür sein, dass die Gründer verkaufter Startups entweder recht schnell selbst “Ihr” Unternehmen verlassen, oder, wie man so schön sagt, gegangen werden. Denn nichts ist schädlicher für ein Startup oder etabliertes Unternehmen, als schlecht oder gar nicht motivierte Mitarbeiter. In diesem Zusammenhang habe ich noch eine kleine Leseempfehlung:
Der Harvard Business Manager veröffentlich regelmäßig Sonderhefte zu bestimmten Themenkomplexen. In der aktuellen Ausgabe 02/2010 lautet der Titel: Motivation – Was Manager und Mitarbeiter antreibt. Das Heft gibt es in jedem gut sortierten Kiosk, in der Bahnhofsbuchhandlung oder im Spiegel-Online-Shop.
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Jakob Zogalla erwähnt. Jakob Zogalla sagte: Wieso muss man Startups eigentlich immer verkaufen? http://bit.ly/9x5Ef6 [...]
Hi Jakob,
das ganze läuft in der Regel folgendermaßen ab: Jemand mit einer Idee (gut oder schlecht) will ein Start-Up aufmachen. Dazu braucht man in der Regel Kohle, viel sogar. Man geht also zu irgendwelchen Venture Kapitalgebern hin und erklärt ihm sein Vorhaben und wenn alles gut geht bekommt man auch das Geld und wird Geschäftsführer. Das Sagen bleibt allerdings bei den Geldgebern. Und die interessiert nicht ob das Ganze Spass macht oder nicht. Die wollen einfach nur Geld investieren und mehr Geld raushaben nach ein paar Jahren. So läuft das doch bei fast allen bekannten Start-Ups ab, leider!
Cheers,
Marcel
Das Verfahren ist mir durchaus geläufig. Allerdings wird der Finanzbedarf eines Startups meiner Ansicht nach üblicherweise massiv überschätzt. Häufig sind VC´s einfach überflüssig. Das gilt insbesondere dann, wenn man mit digitalen Gütern oder Dienstleistungen arbeitet. Und das ist bei jedem Webstartup der Fall.