de.buildblog.reflect – Beeinträchtigung der Usability durch ungefragte Featureupdates

Softwareentwicklung

de.buildblog.reflect – Beeinträchtigung der Usability durch ungefragte Featureupdates

de.buildblog.reflect – Beeinträchtigung der Usability durch ungefragte Featureupdates

In meinem Leben als Softwareentwickler sind schon einige merkwürdige Dinge passiert. Eine Sache, die sich häufiger mal wiederholt hat war der aufkommende Ärger nach einem ungefragten Featureupdate. Als Entwickler denkt man sich manchmal: Dieses oder jenes Tool ist unbrauchbar oder arg renovierungsbedürftig. Oder es fehlt einfach nur die knaller Erweiterung.

Dann schreibt üblicherweise irgendjemand, der das System nichteinmal benutzen muss, eine kleine Anforderungsanalyse oder der zuständige Entwickler ändert die Anwendung gleich auf den kurzen Dienstweg selbst. Ich warne ausdrücklich vor einem solchen Vorgehen. Denn bevor die Usability oder die Features vorhandener Applikationen geändert werden, sollte man sich zunächst darüber im klaren werden, wie die betreffende Applikation überhaupt eingesetzt wird. Das kann ganz anders sein, als dies vom Entwickler oder Projektleiter vermutet wird.

Genau das ist gerade bei Studivz mit einem kürzlich veröffentlichten Update passiert. Man hat sich gedacht: der alte Plauderkasten (im wesentlichen eine Chatfunktion), ist unkomfortabel in der Handhabung. Diese Annahme war völlig korrekt, zumal das System auch noch langsam war und ein paar andere Tücken beinhaltete. Unter anderem vermutlich eine extrem komplexe Umsetzung, aber lassen wir das. Jetzt hat Studivz den Plauderkasten dahingehend geändert, dass auf einen Klick in das Plauderkastensymbol ein neues Fenster geöffnet wird. Dadurch ermöglicht man beispielsweise den simultanen Chat mit mehreren Personen. Eines der Probleme, dass sich aus der Selbstbeobachtung ergibt, ist: Ich habe den Plauderkasten gar nicht, oder nur sehr selten zum Chatten verwendet. Viel wesentlicher war ein ganz anderer Aspekt: um mit jemandem Chatten zu können, öffnete sich im gleichen Fenster, in dem man sich gerade befand, ein kleines RollOut, welches die Online-User anzeigte. Das wars. Jetzt gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Ohne den neuen Plauderkasten im neuen Fenster zu öffnen kann ich nicht “mal eben” überprüfen welche User gerade online sind.

Bei den meisten aktiven Buschfunk (eine Art Studivz internes Twitter) Nutzern in meinem Umfeld äußert sich das wie folgt: “Der neue Plauderkasten ist scheiße”. Das impliziert ein weiteres Problem: Die Nutzer einer Anwendung wissen häufig selbst nicht genau, warum sie das Update als hinderlich empfinden. Mit Interviews wäre man also an dieser Stelle vermutlich nicht weitergekommen. Um an derartig differenzierte Informationen zu gelangen, benötigt man entweder sehr erfahrene Softwaretester, die das System schon lange einsetzen, oder ein extrem ausgeklügeltes Trackingsystem. Letzeres ist aber nur Hilfreich, wenn jemand im Unternehmen dazuin der Lage ist zu erkennen, was es bedeutet, wenn jemand zwar den Plauderkasten angeklickt hat, aber anschließend keinen Chat beginnt.

Einen schönen Tag noch

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