Der Internet-Zahlungsanbieter ClickandBuy wird zu einer 100%igen Tochter der Deutschen Telekom AG. Die Telekom erwirbt alle ausstehenden Anteile nachdem sie über ihre Tochtergesellschaft T-Venture bereits seit 2005 mit 20,2% Beteiligt ist. Der Vertrag wurde gestern unterzeichnet. Die Aufsichtsgremien der beteiligten Gesellschaften und die britische Finanzaufsichtsbehörde FSA haben dem Vorhaben bereits zugestimmt.
Um mal für ein bisschen Aufklärung zu sorgen, hier ein kleiner Ausschnitt aus der entsprechenden Pressemeldung, damit auch jeder weiß, wer hier wen kauft:
Wer ist ClickandBuy?
“ClickandBuy ist eines der führenden Bezahlsysteme im Internet. Mit dem TÜV-geprüften und von McAfee zertifizierten Online-Paymentsystem bezahlen bereits über 13 Millionen Menschen ihre Einkäufe im Internet. Nach der Verdoppelung des Umsatzes mit Händlern und Endkunden auf 922 Mio. Euro (TTV) in 2008 durchbricht die ClickandBuy Group 2009 erstmals die Milliardengrenze.
Mehr als 16.000 Online-Händler verwenden das E-Paymentsystem ClickandBuy zur Abrechnung für E-Commerce, Online-Entertainment und Paid Content & Services, beispielsweise T-Online Musicload, Gamesload, Softwareload, Videoload, Scout24 Group, Apple iTunes, Napster, Medion, AOL, Web.de, Saturn, Meetic, Parship, Neu.de, Electronic Arts (EA), McAfee, Panda, Orange, bonprix (Otto Group), Redcoon, notebooksbilliger.de, buch.de, Foto.com, RTL, Stiftung Warentest, Bild, Die Welt, Playboy.de, ftd.de, faz.net, Spiegel ONLINE, Deutsche Börse Group, KPMG, ADAC etc.
Das 1999 gegründete Online-Bezahlsystem wird von der ClickandBuy International Ltd. in London betrieben. Als von der britischen Finanzaufsichtsbehörde FSA lizenziertes E-Geldinstitut bietet ClickandBuy 50 nationale und internationale Bezahlmethoden in 120 Währungen an.”
Die Wirklichkeit
So ist das also. Eigentlich hat ClickandBuy seit Paypal keine so große Bedeutung mehr, denn der ehemalige Marktführer wurde durch die aggressive Politik der eBay-Tochter massiv unter Druck gesetzt. Dennoch ist ClickandBuy in seiner europäischen Nische stetig gewachsen. Während Paypal sich zwischenzeitlich weltweit etablieren konnte, ist ClickandBuy überwiegend auf dem europäischen Markt aktiv. Es ist davon auszugehen, dass sich das mit der Finanzkraft der Telekom nun schlagartig ändern wird.
Obwohl ClickandBuy sich in den vergangenen Monaten alle Mühe gegeben hat, Innovationspotential an den Tag zu legen (iPhone App, Facebook App, moderneres Webdesign, etc.), gibt es gegenüber Paypal meiner Ansicht nach einen sehr entscheidenden Nachteil: trotz des Versuches sich zunehmend auch in sozialen Medien zu etablieren, fehlt eine einfach Spenden-Funktion für OpenSource und Blogsysteme. An jeden halbwegs hochwertigen Blog hängt irgendwie ein Donate-Button. Von der gesamten OpenSource Szene ganz zu schweigen. Das hat natürlich Folgen für die massive Verbreitung. Denn jeder, der ein bisschen Geld für seine der Welt zur Verfügung gestellten Güter haben möchte, braucht einen Paypal-Account. Also ClickandBuy: hier habt ihr noch dringenden Nachholbedarf. Bringt zwar keinen Umsatz, aber Accounts, die dann potentiell beim nächsten Einkauf ClickandBuy wählen.
Mögliche positive Auswirkungen
Ich persönliche begrüße die künstlich vergrößerte Konkurrenz gegenüber Paypal. Dies ist nicht nur für den zahlungswilligen User von Vorteil (mehr Auswahl), sondern auch für die Shopbetreiber. Denn wenn die Konkurrenz größer wird, ist auch mit einer Verbesserung der Konditionen für Anbieter zu rechnen. Außerdem wird dies die Anzahl der Bezahlmöglichkeiten nach oben treiben. Denn Online-Payment ist eine extrem langweilige Geschichte. Und obwohl es jeder braucht ist kaum etwas vorstellbar, dass weniger sexy ist. Dies hat zwei Gründe:
Insgesamt brauchen wir bessere und einfachere Zahlungssysteme, die sich universell einsetzen lassen. Denn letztlich stellen die Online-Zahlungsanbieter nur eine Erweiterung des Banksegmentes dar. Das muss also zwangsläufig dazu führen, dass ich mit ClickandBuy oder Paypal in absehbarer Zeit auch offline zahlen kann. Und zwar in mindestens drei Varianten:
Wieso die Telekom?
Traditionelle Großunternehmen haben nun mal ein massives Interesse an der Ausweitung ihrer Geschäftsfelder. Dies betrifft insbesondere zukünftige Ex-Monopolisten, die natürlich versuchen müssen außerhalb ihrer klassischen Geschäftfelder ihre Umsatzzahlen hoch zu halten. Die Telekom hat bereits mit T-Pay eher erfolglos versucht einen Zahlungsdienst zu etablieren. In der Regel ist es allerdings einfacher einen bestehenden Service zu übernehmen (auch wenn das unter Umständen einige 100 Mio. kostet), als selbst zu versuchen signifikante Umsätze in einem gesättigten Mark zu erzielen.
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