Eine Frage des Filters – Kontextbasierte Netzwerke

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Eine Frage des Filters – Kontextbasierte Netzwerke

Eine Frage des Filters – Kontextbasierte Netzwerke

In gewisser Weise waren SocialNetworks gestern. Mehr als 100 “Freunde” inklusive ihrer Aktivitäten im Überblick zu behalten, mehr als 100 Leuten bei Twitter zu folgen: irgendwo hört der Spaß doch auf. Die menschliche Aufmerksamkeitsspanne ist eben doch begrenzt. Die Zukunft liegt in Kontextbasierten Netzwerken.

Das Grundproblem:

Zu viele verfügbare Informationen. Das dieses Problem nicht neu ist, hat David kürzlich dargelegt. Die Essenz: wir brauchen besserere, effektivere Filtersysteme. Google reicht schon längst nicht aus. Zum einen weil die Masse der auffindbaren Daten weiterhin zu groß ist und zum anderen, weil die verwendeten Filter und Ranking Mechanismen nicht jedem suchenden gerecht werden. Nun werden interessen zu bestimmten Themen bekanntermaßen häufig über soziale Netzwerke geweckt (gemeint sind hier sozialer Netzwerke jeder Form, also auch klassische Freundschaft und Bekanntschaftsbeziehungen). Der nächste Teil der Aufmerksamkeitsevolution findet auch genau hier statt.

Twitter und die alberne “Was machst Du gerade” Frage

Bei Twitter stand die Fragen: “Was machst Du gerade” eigentlich nie wirklich im Vordergrund. Was soll bei deren Beantwortung schon groß rauskommen? Richtig: jede Menge grober Unfug.

Darum geht es auch gar nicht. Es geht um schnellen Informationsaustausch. Insofern ist die Twitter-Frage einfach falsch gestellt. Sie sollte lauten: Was bewegt/interessiert Dich gerade, dass auch andere Interessieren könnte. Ich führe als Beispiel für falsch gestellte Fragen immer gern das Exempel von Anwälten an: Jemand der einen Anwalt sucht, sucht nicht wirklich einen Anwalt, sondern Rechtsberatung.

Das ist eine wichtige und weitreichende Erkenntnis für nahezu jedes Produkt und jede Dienstleistung. Hier wird die Frage was der Konsument wirklich will viel zu häufig vernachlässigt.

Twitter Listen und die Verschiebung des Fokus auf Information

Zurück zum Kontext und den abstrus vielen Freunden in SocialNetworks: Sie bringen nichts. Und sie sollten demzufolge auch nicht als Währung betrachtet werden. Denn sie generieren einfach viel zu viel digitalen Müll.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung: Listen. Klassische Social Networks wie Facebook und StudiVz haben sie schon länger im Programm. Nur benutzt sie dort niemand (jedenfalls niemand den ich kenne). Der Sinn: die Unterscheidung von Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern. Das ist aber wenig hilfreich, da diese nicht spamartig über mich herfallen. Außerdem werde ich wohl nie 10.000 Freunde erreichen und für 100 bis 200 Leute reicht meine Gehirnkapazität noch aus.

Nun hat Twitter kürzlich auch eine Listenfunktion integriert. Diese dient aber eigentlich nicht der Sortierung und Kategorisierung von Menschen, sondern der Sortierung und Kategorisierung von deren Output.

Plötzlich geht es darum zu erfassen, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand den ich zu einer Liste über das SocialWeb hinzufüge, sich auch dazu äußert.

Google und das Crawlen von Müll

Unser allseits beliebter “mach nichts böses”-Freund Google ist jetzt auch in das Echtzeit-Datenmüll-Geschäft eingestiegen. Worum geht es dabei? Um Kontext. Derzeit werden allerorts die neuen Features als einzelinnovationen betrachtet:

Google verfolgt niemals das Ziel ein einzelnes Feature zu entwickeln. Es sollte immer die Gesamtstrategie betrachtet werden. Wie ich bereits angemerkt habe besteht das Problem im Informationsoverhead in der Filterung.

Je mehr Informationen ich über das suchende Individuum habe desto bessere Ergebnisse kann ich vielleicht liefern. Denn möglicherweise ist Googles Ansatz des Nutzerkontexts gar nicht der Richtige.

Der Kontext zählt – aber nicht der des Nutzers

Es geht hier um Informationen. Informationen die miteinander, untereinander, übereinander und durcheinander verknüpft sind. Dabei ist der Hintergrund des Nutzers häufig gar nicht so sehr von Belang.

Fehlerhafte Massenweisheit

Auch die Weisheit der Massen führt uns hier nicht weiter. Jeder der schon einmal einen SocialBookmark Service benutzt hat weiß das. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand der den gleichen Bookmark hat wie ich auch sonst für die gleichen Themen wie ich interessiert, ist in etwas ebenso hoch, wie dass er sich für jedes andere Thema interessiert.

Das Verständnis von Informationseinheiten

Die Keyword-Basierte Suche und Kategorisierung muss sehr bald der Geschichte angehören. Sonst gehört das Wissen dieser Welt bald der Geschichte an, weil wir es schlicht nicht wiederfinden werden. Aus den Informationen, die wir über das sonstige Such oder Kaufverhalten des Nutzers haben, Rückschlüsse auf zukünftig wünschenswerte Ergebnisse zu ziehen ist ein fataler Fehler. Er schränkt uns ein. Die Theorie hinter dem Orwell´schen Neusprech besagt: Was Du nicht sagen kannst, kannst Du auch nicht denken.

Zukünftig heißt es: was Du nicht finden kannst, kannst Du nicht denken. Deswegen müssen Computer lernen, eine Suchanfrage zu verstehen. Und Menschen müssen lernen eine Frage zu Formulieren.

Wer sich einmal beite gutefrage.net eingeloggt hat weiß: Der Großteil aller Fragen, ist Schrott. Ich habe dabei ernsthafte Verständnisschwierigkeiten, weil die heutige Menschheit offenbar nicht dazu in der Lage ist sich präzise auszudrücken. Doch wie um himmelswillen soll Google oder eine sonstige Suchtechnologie wissen was gemeint ist, wenn nichtmal ein Mensch dazu in der Lage ist?

Diskussion

4 Kommentare zu “Eine Frage des Filters – Kontextbasierte Netzwerke”

  1. Sehr guter Beitrag! Genau dies ist das ungelöste IT-Problem des Jahrzehnts. Information generieren können wir inzwischen sehr gut (und da fällt auch das Anlegen von Suchprofilen darunter). Was wir aber noch nicht können, ist die vorhandene Information verstehen und sie in einen semantischen Kontext stellen. Und das geht weit über das ‘Suchen’ hinaus, Stichworte und Tags reichen nicht, auch nicht wenn sie einheitlich strukturiert und mit komplexen Suchkriterien filterbar sind. Information hat nur dann einen Wert, wenn wir (und unsere Informationssysteme) lernen, dass Information nur dann informativ ist, wenn sie in Bezug zu einem bestimmten semantischen Kontext steht. Eine gute Frage muss ihren Kontext im semantischen Netz eingrenzen – und die Antwort muss sich auf ebendiesen Kontext beziehen, damit sie zur Frage passt.

    Posted by mirkosoft | April 26, 2010, 16:12
  2. [...] Sourcecode und keine optimierten Texte. Ich denke es ist nun für viele Leute an der Zeit sich mit Netzwerktheorien zu befassen. Nicht um sofort alle Geschäftmodelle über den Haufen zu werfen. Aber um vorbereitet [...]

    Posted by Social-SEO-Sunday – Die Suchmaschine als Denkbox | Mai 17, 2010, 01:02
  3. [...] In diesem Zusammenhang gibt es von Jakob noch einen älteren Beitrag in dem er das Thema gewissermaßen von Seiten der Seitenbetreiber beleuchtet. [...]

    Posted by Filter Bubble – mit Scheuklappen durchs Internet 3 | buildblog | September 21, 2011, 10:15
  4. [...] (hoffentlich) mittelfristig der inhaltliche und semantische Kontext im Vordergrund stehen, kurzum Informationen und Suchanfragen müssen besser verstanden werden. Dazu gehört mit Sicherheit auch ein persönlicher Hintergrund aber nicht in erster Linie Tags: [...]

    Posted by Seosweet Blog | Individualisierung von Suchergebnissen | Dezember 22, 2011, 15:54

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