Eine kürzlich erschienene Umfrage des Forschungsunternehmens Robert Half Technology unter 1400 CIOs (Chief Information Officers) amerikanischer Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern hat gezeigt, dass die Mehrheit, nämlich 54% der befragten Unternehmen, das Surfen auf den Seiten sozialer Netzwerke komplett verbieten.
Die CIOs hatten auf die Frage, welche Richtlinien ihre Firma in Bezug auf den Besuch sozialer Netzwerke hat, die Wahl zwischen den Antwortmöglichkeiten: 1) Komplettes Verbot; 2) erlaubt für berufliche Zwecke; 3) eingeschränkter persönlicher Gebrauch erlaubt; 4) keine Einschränkung; 5) weiß ich nicht.
Immerhin 1% der CIOs bewiesen ihre Kompetenzen mit der letzten Antwortmöglichkeit. Komplett freien Zugang gibts in 10% der Firmen und immerhin 16% gewähren eingeschränkten privaten Zugang, während 19% den Gebrauch für berufliche Zwecke erlauben.
Als möglicher Grund für das weitverbreitete Verbot sieht David Wilmer, Geschäftführer von Robert Half Technology, darin, dass Arbeitnehmer durch die Nutzung von sozialen Netzwerken von “weitaus wichtigeren Dingen” abgelenkt werden könnten.
Martin Weigert von Netzwertig ist auch auf diese Studie aufmerksam geworden. Er sieht ein Verbot von sozialen Netzwerken kritisch und stellt der angeblichen Zeitverschwendung durch sie den Effizienzgewinn gegenüber, der das wieder ausgleichen würde. Leider zieht er hier die gesamten Effiezienzgewinne heran, die die Digitalisierung und das Internet gebracht haben. Allerdings sehe ich in der Tatsache, dass es Emails gibt und, dass diese und die modernen Kommunikationsmittel, die Produktivität in den vergangenen Jahrzehnten enorm erhöht haben, noch keinen Effizienzgewinn durch soziale Netzwerke und somit auch nichts, was die „Zeitverschwendung“ ausgleichen könnte.
Dennoch hat er recht, die Nutzungsverbote sozialer Netzwerke während der Arbeitszeit kritisch zu sehen. Es ist sicherlich unbesteitbar, dass Mitarbeiter, die auf Facebook surfen, einen Teil ihrer Arbeitszeit darauf verwenden und somit erst einmal an Produktivität einbüßen. Dies ist auch das Hauptargument der verbietenden Arbeitgeber.
Lassen wir einmal die Berufszweige außen vor, für die es sinnvoll erscheint soziale Netzwerke beruflich zu nutzen, also Journalisten, Personaler, Marketingmitarbeiter, Werber etc., so stellt sich in der Tat die Frage, wieso man den restlichen Mitarbeitern diese Zeitverschwendung gestatten sollte.
Im BlogaboutJob werden einige mögliche Gründe aufgelistet, ebenso auf der Schweizer Seite Website-Marketing. Von wirklicher Relevanz für das Gros der Angestellten ist aber meiner Meinung nach nur der Motivationsaspekt.
Zumindest bei jüngeren Menschen nehmen die sozialen Netzwerke einen immer wichtigeren Posten ein. Man ist ständig auf dem Laufenden, kann permament mit seinen Freunden kommunizieren. Man könnte daher das Verbot sozialer Netzwerke mit einem Verbot privater Telefonate oder privater Emails vergleichen. Werden Mitarbeiter während der Arbeitszeit von ihren sozialen Netzwerken abgestöpselt, so werden sie sich auch so fühlen, abgeschnitten von ihrem sozialen Umfeld, was ihre Motivation eher senken würde und damit auch ihre Produktivität. Der Motivationsverlust durch solche restriktiven Maßnahmen ist dann dem Produktivitätsverlust durch die Zeitverschwendung gegenüberzustellen.
Arbeitgeber sollten hier auch beachten, dass in den vergangen Jahren die technische Entwicklung die Mitarbeiter auch in ihrer Freizeit immer mehr in den Beruf gezogen hat, durch Mobiltelefone, Emails etc.. Arbeits- und Freizeit rücken immer näher an- und ineinander. Zudem werden immer mehr unbezahlte Überstunden geleistet. So gesehen wäre es also nur gerecht, die Freizeit auch ein Stück weit in die Arbeitszeit zu lassen, sodass ein Geben und Nehmen zwischen beiden Seiten entsteht. Ein Angestellter, der im Büro nichts vermisst bleibt auch länger und lieber dort.
Letztlich ist es aber eine individuelle Entscheidung. Große Firmen müssen sicherlich eher restriktive Richtlinien erlassen, da die interne oder soziale Kontrolle in ihnen aufgrund der hohen Mitarbeiterzahl und der Personalstruktur nicht so gut funktionieren dürfte, als in kleineren Unternehmen. Wichtig ist aber ein Dialog mit den Mitarbeitern, möglicherweise die Einführung von Zeitkonten, oder etwas ähnlichem. Die Stadt Zürich gab ihren Mitarbeitern zum Beispiel die Chance die Stunden, die auf Facebook verbracht wurden unter die Marke von 0,5 Milionen Zugriffen zu drücken. Das war angesichts von vorher 3,3 Millionen Zugriffen ein sehr ehrgeiziges Unterfangen, was mit dann mit 1,75 Millionen Zugriffen auch verfehlt und somit der Zugang gesperrt wurde. Trotzdem zeigt es, dass eine Senkung des Zeitverlusts unter Miteinbeziehung der Mitarbeiter ohne Verbote möglich ist.
Inwieweit so etwas dem Arbeitgeber genügt und wie er den Produktivitätsvorteil durch den Zeitgewinn gegenüber dem Verlust durch die geringere Mitarbeitermotivation bewertet, bleibt je nach Unternehmen unterschiedlich und wird wohl noch lange für Dikussionen sorgen, wie die Schweizer Beispiele auf Website-Marketing zeigen. Man sehe sich nur die Raucherpausen und die privaten Telefonate an, hier sind die Arbeitgeber ja auch weit von einheitlichen Regeln entfernt.
Das Problem, dass Mitarbeiter in sozialen Netzwerken Interna preisgeben oder sich für die Firma schädigend äußern, was auch gelegentlich Gründe für gesperrte Zugänge sind, ist davon gesondert zu betrachten. Hier könnten Sensibilisierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter Abhilfe schaffen und schließlich gibt es hierfür ja schon lange Sanktionsmöglichkeiten.
Soziale Netzwerke während der Arbeitszeit sind Zeitverschwendung für faule Mitarbeiter. Früher hat man Solitaire gespielt, jetzt ist es studiVZ… so, viel hat sich nicht geändert, es gibt lediglich mehr Alternativen zu Solitaire.
Weg damit!
@anonym
Man darf die Sache schon noch etwas differenzierter betrachten.
Vor und Nachteile sollten immer abgewogen werden. Und der im Artikel angesprochene Punkt der Motivation ist heute extrem wichtig.
@anonym:
Der Vergleich mit Solitaire hinkt ja total. man kann schlecht ein Spiel mit dem Sozialverhalten vergleichen.
Eher treffend ist es, facebook, twitter und co, mit dem privatem Telefonieren oder privaten Mails Schreiben zu vergleichen, da beides ja demselben Zweck dient, mit seinem sozialen Umfeld Kontakt aufzunehmen. Sobald das untersagt wird, ist doch klar, dass man eher unmotiviert ist. So ist das i.d.R. doch mit allen Verboten auf der Arbeit.
Und ich glaube kaum, dass effektiv nicht viel Produktivität verloren geht, weil wenn man das nicht darf, redet man halt wie üblich mit den Kollegen etwas.