Urheberrechtsdiskurs IV – Das Usenet

Analysen

Urheberrechtsdiskurs IV – Das Usenet

Urheberrechtsdiskurs IV – Das Usenet

Als Idee 1979 entstanden, wurde das Usenet 1980, also noch vor dem Internetzeitalter, in die Tat umgesetzt. Die Idee ist sehr einfach zu erklären: In sogenannte Newsgroups, die themenbasiert gegliedert sind, werden Texte in Form von Artikeln, die denselben Aufbau wie eine E-Mail haben, hochgeladen. Sobald ein Artikel auf dem Ursprungs Usenet-Zugangsknoten hochgeladen wurde, steht dieser weltweit auf allen Usenet Zugangsknoten zur Verfügung, denn sie werden weltweit automatisch synchronisiert.
Zugänge zu Usenet-Knotenpunkten werden von hunderten Unternehmen weltweit gegen Bezahlung angeboten.

Zu Beginn des Usenets dauerte es mehrere Wochen bis ein Textartikel, der üblicherweise nicht mehr als 250 Kilobyte groß war, auf allen Knoten zur Verfügung stand. Die langsamen DFÜ Leitungen (Modem) ließen es darüber hinaus nicht zu, größere Texte in das Usenet hoch- oder herunterzuladen.

Die damalige Begrenzung von 250 KB pro Textartikel ist weitestgehend aufrecht erhalten worden. Mittlerweile werden die Daten jedoch innerhalb von 5 Minuten weltweit über das Internet synchronisiert, mehr als 5 Terabyte (entspricht ca. 1.300 DVDs) Textartikel werden jeden Tag in das Usenet hochgeladen und wie bei Emails können auch Textartikeln Dateien angehängt werden.Ist eine Datei zu groß wird diese in mehrere kleinere Textartikel umgewandelt.

Eine einzelne, einmal in das Usenet hochgeladene Datei, kann auf allen Usenet-Zugangsknoten millionenfach heruntergeladen werden.
Die Daten werden weltweit durchschnittlich für 200 Tage aufbewahrt. Dies entspricht einem gespeicherten Volumen von ca. 1.000 Terabyte (ca. 230.000 DVDs). Der Download der Daten erfolgt mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit über mehr als hundert verschiedene Usenet Zugangsknoten, weltweit. Daten, die älter als durchschnittlich 200 Tage sind, werden automatisch gelöscht.

Das Usenet wird darüber hinaus als Diskussionsplattform von Universitäten, Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen genutzt. Das größte Usenet-Archiv für Textartikel bietet zur Zeit Google Groups.

Das größte Diskussionsforum der Welt, was nun auch für den sekundenschnellen Transfer von großen Dateien genutzt wird, leidet unter dem Problem, dass die darin befindlichen und jeden Tag neu hochgeladenen Datenmengen, aufgrund ihrer Masse, nicht zeitnah überprüft werden können. Somit tummeln sich unter den täglichen Uploads auch urheberrechtlich geschützte Inhalte. Diese sofort zu finden ist jedoch meistens schwer bis unmöglich.

Das Usenet wird zur Zeit für den Transfer von folgenden Daten genutzt:

  1. Verschlüsselte und geschützte Inhalte: Diese Inhalte werden von Urhebern selbst in das Usenet gestellt, meistens in hoher und guter Qualität, die hohe Bandbreiten zum Herunterladen erforderlich machen, der Inhalt wird jedoch beim Erwerb einer Nutzungslinzenz freigeschaltet bzw. entschlüsselt.
  2. Unternehmen verteilen über das Usenet kostenlos größere Datenmengen, da die Plattform, gegenüber reinen Content Delivery Providern, erheblich günstiger ist, zeitgleich jedoch qualitativ mithalten kann.
  3. Nutzer laden ihre eigenen Inhalte hoch, um sie einem Millionenpublikum zur Verfügung zu stellen. Allein die in den Niederlanden übertragenen Daten im Usenet übersteigen das Datenvolumen größerer Video-Hosting Sites in Europa wie YouTube.
  4. Nutzer laden urheberrechtlich geschützte Inhalte hoch, die nicht verbreitet werden dürfen.

Die Inhalte werden über folgende Möglichkeiten gesucht und gefunden:

  1. Neutrale Suchmaschinen, die eine Volltextsuche über alle Artikel im Usenet anbieten: Diese Suchmaschinen beschäftigen sich nicht mit den Inhalten, sondern indizieren die großen Datenmengen automatisiert “on-the-fly”, ohne sie genau zu analysieren.
  2. NZB-Sites: Ähnlich Link-Sites, hier werden jedoch Sammlungen von Artikeln zu bestimmten Inhalten angeboten. NZB Dateien werden zu legalen Zwecken von Unternehmen angeboten, jedoch auch von Seiten, die sich darauf spezialisiert haben, auf Sammlungen von Artikeln zu verweisen, die auf illegale Inhalte zeigen.
  3. Die Artikel können auch über ein herkömmliches E-Mail Programm, wie z.B. Outlook Express, Mozilla Thunderbird oder das neue Windows Mail, abgerufen werden.

Eine Anti-Piraterie Lösung für das Usenet ermöglicht es den Urhebern bereits Titel, die im Usenet gescannt werden sollen, in ein eigenständiges System einzupflegen. Hierauf spezialisierte Dienstleister finden so den Ursprungsort der Artikel mit urheberrechtlich geschützten Inhalten. Die Artikel werden über das, für das Usenet bestimmte und seit mehr als 20 Jahren praktizierte, Notice and Takedown Verfahren im Usenet Netzwerk angemahnt und verschwinden aus dem gesamten Netzwerk innerhalb weniger Stunden, bzw. können nicht mehr heruntergeladen werden. Diese Notice and Takedown Vorgänge finden meistens bereit  statt, während die urheberrechtlich geschützten Artikel in das Usenet-Netzwerk hochgeladen werden, sodass der Download der geschützten Inhalte in vielen Fällen schon verhindert werden kann, bevor er überhaupt vollständig bereitgestellt worden ist.

Der Uploader kann im Usenet in den meisten Fällen identifiziert werden, da er über einen Zugang verfügt, der mit normalen Zahlungsmitteln bezahlt werden muss. Diese Daten stehen dann auch den Urhebern zur weiteren Verfolgung zur Verfügung.

Fazit: Zugegeben, bis vor einigen Jahren bestanden diese Lösungen in der heutigen Form noch nicht, in der sie jeder Urheber nunmehr ohne technische Kenntnisse nutzen kann. Das Usenet sollte somit kein Problem darstellen, sofern der Urheber natürlich in der Lage ist Referenzmaterial für den Schutz seiner Titel zur Verfügung zu stellen und Lösungsanbieter zur Durchführung von Löschungsaktionen für seine Titel beauftragt.

Dies zeigt auch ein im letzten Jahr veröffentlichter Beitrag zum Filesharing-Erfolg von The Dark Knight in dem wir ausführlich beleuchtet haben, wie der Film strukturell im Usenet vorliegt.

Diskussion

2 Kommentare zu “Urheberrechtsdiskurs IV – Das Usenet”

  1. [...] Eigentums” Urheberrechtsdiskurs III – Cyberlocker Services (z.B. rapidshare) / Video Hosting Urheberrechtsdiskurs IV – Das Usenet Urheberrechtsdiskurs V – P2P Netzwerke wie Bittorrent Urheberrechtsdiskurs VI – P2P Netzwerke [...]

    Posted by YuccaTree Post + » Urheberrecht und Filesharing: Was genau passiert da eigentlich? | Oktober 5, 2009, 18:39
  2. [...] Zumal ist ein einzelnes System weder redundant noch konsistent. Ich bin mir für so eine Art USENET Knotenverbund. Das ist zuverlässig, selbst wenn mal ein paar Knoten ausfallen sollten. Dieses wie das andere [...]

    Posted by Das Board voller Lügen | Borisk.de | März 13, 2010, 03:47

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