Einleitung
Die Wörter Musik-, Film-, Spiele-, Software- und mittlerweile sogar Bücherindustrie (Verlage) sind in der Presse meist nur noch im Zusammenhang mit Piraterie, Milliardenverlusten, dem Diebstahl geistigen Eigentums und dem Kampf gegen Verbrecher zu finden. Hierfür muss es einen Grund geben. Doch auch wenn es einen Grund gibt: Warum hören wir diese Wörter und Begriffe wie Raubkopierer seit etlichen Jahren? Ist das Problem tatsächlich so groß? Gibt es dafür wirklich keine Lösung? Fragen, die nur eine kleine Gruppe spezialisierter Personen auf dieser Welt beantworten könnte. Nun soll es aber nicht darum gehen, diese Personen zu befragen, eine schlaue Antwort zu erhalten und dann einfach Bescheid zu wissen. Wenn das so ginge dann wäre dieser Artikel hier sicherlich nicht notwendig. Wir wollen uns also darauf konzentrieren, herauszufinden, ob es Lösungen gibt, ob diese praktikabel sind und was es nun mit den Milliardenverlusten genau auf sich hat.
Es geht hierbei wohlgemerkt nur um Online Piraterie, von manchen auch als Diebstahl geistigen Eigentums bezeichnet. Technische oder juristische Kenntnisse sind nicht unbedingt notwendig um diesen Artikel zu verstehen.
Worum geht es ganz genau?
Das Bild, was in unseren Köpfen herumschwebt sollte folgendem Szenario gleichen – meist auch öffentlich verbreitet durch diverse Pressekanäle und Pressemitteilungen:
Nutzer aus aller Welt kopieren einen Film, per Videokamera aus dem Kino, als illegale DVD-Kopie oder aus anderen Quellen, z.B. direkt aus den Produktionsstätten des Filmstudios, und stellen dieses ins Internet. Andere Nutzer können diese Inhalte daraufhin entweder kostenlos oder günstiger herunterladen und nutzen. Der Urheber erleidet einen massiven Schaden, da die illegale Verbreitung äußerst unförderlich für seine Vertriebskanäle ist – z.B. lädt der Nutzer den brandneuen Harry Potter lieber kostenlos aus dem Bittorrent Netzwerk herunter, anstatt im Kino dafür zu bezahlen.
Der Urheber investiert eine ganze Menge Geld, um Online Piraterie zu bekämpfen. Er ist jedoch, glaubt man den Pressemitteilungen, entweder machtlos oder in einigen Fällen äußerst erfolgreich, in der öffentlichen Darstellung überwiegt jedoch die Machtlosigkeit der Urheber. Aus diesem Grund wird die Regierung angerufen. Angela Merkel höchstpersönlich soll etwas unternehmen. Das Weiße Haus musste sich auch schon mit dem Thema beschäftigen – immerhin lebe eine ganze Nation von der kreativen Branche, was man auch schwarz auf weiß mit Zahlen und Fakten belegen konnte. Dabei ist das Bild keineswegs einheitlich. Während die Musikindustrie Verluste hinnehmen muss, die auch bei genauerem Hinsehen nur noch als grausam zu bezeichnen sind, steigen an der anderen Ecke die Zahlen für verkaufte Kinokarten – und doch geht es irgendwie bergab. Man greift nach dem was links und rechts fassbar ist, wöchentlich erscheinen neue Pressemitteilungen in denen Piraten gedroht wird und immer wieder wird der Ruf laut, die Regierung, oder noch besser Angela Merkel höchstpersönlich solle etwas tun und zwar sofort.
Doch ganz im Gegenteil, es wird noch viel schlimmer – jetzt nennen sich auch schon freiheitlich-demokratisch orientierte politische Parteien “PIRATEN”. Sie werden mittlerweile als ernstzunehmende neue Kraft betrachtet und haben sogar kuzeitig einen Bundestagsabgeordneten als Mitglied. Dazu sind sie nicht nur national, sondern europäisch, ja gar international aufgestellt. Unter jungen Erwachsenen finden sie Zustimmung in einer breiten Masse:
Für die Politik bedeutet das vielleicht, nicht zwingend, dass eine neue Partei hinzukommt. Ganz sicher bedeutet es aber, dass auch etablierte Parteien verstärkt auf die Stimmen aus dem “Piraten-Millieus” hören müssen, um nicht selbst an Einfluss zu verlieren. So könnte es dazu kommen, dass man eines Tages Angela Merkel nicht mehr wegen Anti-Piraterie Maßnahmen anrufen kann, oder zumindest, dass diese Stimmen ungehörter als zuvor bleiben. Zumal die Kriminalisierung einer diffusen, nicht greifbaren Masse leichter gelingen dürfte als die einer organisierten, politisch möglicherweise, einflussreichen Gruppe.
Die Piraten stehen für die kostenlose Verbreitung von Kultur. Harry Potter ist, wenn es nach den Piraten geht, auch Kultur. Nicht meine, nicht deine Kultur, aber Kultur. Kultur, die angeblich frei geteilt und verbreitet werden soll.
Wenn man genau hinschaut offenbaren sich typische Bilder der Literatur. Die Online-Piraten sehen sich gerne als Robin Hood und die Content Industrie als den bösen König. Die Industrie sieht das natüürlich etwas anders. Hier sind die Piraten noch Piraten, böse Räuber. Das Gut und Böse Bild also andersherum. Die Industrie sieht sich nicht nur als denjenigen, der Kultur und geistiges Eigentum besitzt, sondern es auch schafft. So dass das Gut und Böse Bild seine archaichste Form annimmt: Gott und der Teufel. So wie in der Bibel. Heute heisst das dicke Buch aber ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement). Noch ist die neue Bibel geheim, doch sie soll Regeln aufstellen um das Böse, den Teufel, die Piraten, die Raubmörder und Kopierer zu besiegen. So etwas wie Gottes neue oder ergänzende Gebote, die wir bis heute noch nicht kannten. Doch wer ist bei diesem Spiel Gut und wer ist Böse? Tatsächlich wird diese Frage niemals beantwortet werden – und doch ist die Lösung für all die prophezeiten und geschilderten Milliardenprobleme kein Mysterium, es werden keine Priester, keine Kirchen und keine Gesandten Gottes gebraucht – und ja, gebetet werden muss auch nicht.
Leider ist die Lösung zu diesem Mysterium nämlich verdammt langweilig und sehr irdisch, ohne Auferstehungen und eine Inquisition ist auch nicht unbedingt notwendig.
Herzlich willkommen im ersten Teil unseres Specials zur Urheberrechtsproblematik.
Hey, Gut geschrieben. Ich stand sogar Nachts an einer Buchhandlung an, um mit als erste den damals neusten Harry Potter Band lesen zu können.
[...] Im zweiten Teil unserer Serie zum Urhuberrechtsdiskurs geht es um Verbreitungskanäle des Filesharings. Es handelt sich hier um die Fortsetzung des Artikels “Gedankenansätze zum aktuellen Diskurs der Urheberrechtsproblematik“. [...]
[...] ist Tei drei unserer Umfangreichen Serie zum Urheberrechtsdiskurs. Teil 1 führt in das Thema ein, Teil 2 geht auf Verbreitungswege geistigen Eigentums [...]
[...] Gedankenansätze zum aktuellen Diskurs der Urheberrechtsproblematik I Urheberrechtsdiskurs II – Die Verbreitung “geistigen Eigentums” Urheberrechtsdiskurs III – Cyberlocker Services (z.B. rapidshare) / Video Hosting Urheberrechtsdiskurs IV – Das Usenet Urheberrechtsdiskurs V – P2P Netzwerke wie Bittorrent Urheberrechtsdiskurs VI – P2P Netzwerke Teil 2 Urheberrechtsdiskurs VII – Schlusswort [...]
Zuerst einmal: Die implizite Gleichsetzung von Piratenpartei und dem Piraten-Milieu ist vollkommen unzulässig.
Zum zweiten: Weder Kulturpiraten noch die Piratenpartei fordern eine “Kultur, die angeblich frei geteilt und verbreitet werden soll.” Eine solche Forderung wär arg nah am Kulturkommunismus, die eine komplette Dekommerzialisierung fordert. Solche Hardliner sind mir in 28 Jahren in Deutschland noch nicht begegnet.
Drittens: Was genau sind denn plötzlich “Online-Piraten”, wenn sie begrifflich von der Piratenpartei, dem Piratenmilieu und Piraten abgegrenzt werden? Bitte klarer formulieren, damit man weiß wen du meinst.
Recht hast du damit, dass das ganze in der Sache ziemlich langweilig ist. Nur die Mittel die eingesetzt werden sind so theatralisch, dass das ganze Medientauglich wurde.
Gruß
Entschuldige, falls es so rübergekommen sein sollte, als hätte die Piratenpartei etwas mit dem “Piraten-Millieu” zu tun. Hin und wieder ist es notwendig anhand von Übertreibungen bestimmte Themen hervorzuheben.
Nundenn, was genau sind die schlechten Piraten: Das sind die Piraten, die damit Geld verdienen, Pirat zu sein und Gefolgsleute davon überzeugen, sie würden es nur aus Überzeugung tun. Die Piratenpartei gehört nicht dazu.
Wer sind die schlechten Piratenjäger: Unternehmen und Organisationen (Anti-Piraten), die damit Geld verdienen Piraten zu jagen und so tun, als würden sie an das was sie betreiben tatsächlich glauben. Oft geben sie sich Bezeichnungen wie “Piraten-Jäger” – höchstens jagt man hier den $$$ oder €€€ nach.
Ein Piraten-Jäger ist nicht immer jemand der Urheberrechte schützt, ein Piraten Jäger ist jemand der, so wie du es richtig beschreibst, medientauglich als Piratenjäger auftaucht und damit Kohle verdient.
Die Piratenpartei wollte ich keineswegs angreifen, denn ich denke, größenteils dürfte sie meinen Artikel bejahen, zumindest was die nicht unbedingt notwendigen Verschärfungen von Gesetzen betrifft, da wir mit den Gesetzen bestens klarkommen, die Industrie muss nur noch mit der Technik klarkommen… Bestenfalls sollte man dafür technisch versierte Mitarbeiter anstellen. Personalmanagement ist jedoch nicht meine Aufgabe.
Achso, du meintest im Artikel wohl die “echte” Piraterie, also die kommerziell-kriminelle, und gar nicht das, was die Lobbyverbände gerne alles noch darunter fassen. Dann muß ich den nochmal unter diesem Aspekt ganz neu lesen, das ist das Problem, wenn jeder Begriffe auf andere Weise verwendet
Ich glaube die meisten privat-Up-/Downloader sind genauso gegen die kommerzielle piraterie wie die verbände. Aber die Klagen der Verbände zeigen ja, dass es ihnen gar nicht um die echten Piraten geht.