Facebook und Lifestreaming, die Zukunft des Web 2.0?

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Facebook und Lifestreaming, die Zukunft des Web 2.0?

Facebook und Lifestreaming, die Zukunft des Web 2.0?

Der neueste Coup des größten Sozialen Netzwerks Facebook, die Übernahme des Lifestreaming-Dienstes Friendfeed, läutet die Zukunft der sozialen Netzwerke ein. Vor knapp 2 Wochen zahlte Facebook angeblich fast 50 Millionen Dollar für das kleine Friendfeed mit seinen 12 Mitarbeitern.

Das Prinzip von Friendfeed lässt sich schnell zusammenfassen: Ein Stream, der in Echtzeit alle online Aktivitäten an einem Ort zusammenführt und mit den Freunden teilt, egal, ob das nun Video- oder Fotouploads, Bookmarks oder Statusmitteilungen in Facebook oder Twitter sind.

So lassen sich Aktionen von Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern auf allen möglichen Websites, an einem Ort kommentieren, sodass regelrechte Diskussionen entstehen. Man bleibt in Echtzeit informiert über die Aktivitäten der Freunde und oft kommentierte Feeds werden wieder vorne angestellt, sodass offensichtlich relevantes nicht im Niemandsland verschwindet. Damit das Ganze dann nicht zu unübersichtlich wird, hat Friendfeed Filter entwickelt, die es beispielsweise erlauben nur bestimmte Ereignisse (z.B. Videos) von einem User auszublenden, andere Ereignisse desselben Users aber weiterhin zuzulassen.

Warum hat Facebook nun diesen Dienst gekauft?

Wer die Facebook-Seiten beobachtet hat, der weiß, dass man sich hier stets bemüht, die Streaming Trends von Twitter, aber eben auch von Friendfeed aufzugreifen und einzubauen.

Überhaupt hat die Offenheit von Facebook ja schon lange gezeigt, dass man versucht, möglichst viel der Onlineaktivität der User im eigenen Portal zu bündeln, um so selbst zu einer Art zentralem Ort zu werden.

So scheint die Übernahme von Friendfeed nur logisch. Offensichtlich will man sich das nötige Know-How, das Friendfeed, im Gegensatz zu Facebook besitzt, ins eigene Haus holen und zum anderen natürlich einen möglichen zukünftigen Konkurrenten auszuschalten. Auch für Friendfeed scheint der Deal lohnend, der Dienst selbst hat zwar unter Insidern erhebliche Reputationen erhalten, der große Boom, wie bei Twitter ist jedoch ausgeblieben, es kursierte die Formulierung “The Coolest App That No One Uses”. Facebook, mit seinen über 200 Millionen Usern könnte dem Lifestreaming jedoch zum Durchbruch verhelfen.

Erst einmal soll Friendfeed wohl so weiterlaufen wie bisher, offensichtlich als Testgebiet für Facebook. Innovationen werden erst auf Friendfeed getestet, um dann eventuell massentauglich für Facebook gemacht zu werden. Allerdings sollen die Friendfeed Mitarbeiter schon zu Facebook ziehen, was eine Wissendiffusion erheblich vereinfachen dürfte.

Vielleicht gelingt es Facebook ja auf diese Weise nicht nur soziales Netzwerk zu bleiben, sondern eben alle Internetaktivitäten der User zu bündeln. Auf die Spitze getrieben, müsste niemand mehr woanders hin, um sich Informationen zu holen. Man muss nicht mehr auf Flickr um sich die Fotos anzusehen, nicht mehr auf YouTube nach Videos, aber auch nicht mehr auf Google nach Artikeln und Blogs suchen, weil man alles von seinen Freunden auf Facebook geliefert bekommt. Es ist wie früher in der anaologen Welt, man macht alles auf Empfehlungen von Bekannten.

Wenn aber die meiste Internetaktivität auf Facebook stattfindet, dann wird sich auch die Onlinewerbung dorthin verlagern. Hier setzt auch die netzwertig Theorie an, dass die nächste Front im Netz zwischen Google und Facebook verlaufe.

Würde eben skizziertes Szenario zutreffen, wäre das sicherlich der Fall. Vom heutigen Standpunkt aus, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass es so einen perfekten Lifestreaming Dienst gebe kann. Es ist fraglich, ob so ein guter Filter möglich ist, der die Masse an Internetaktivitäten so filtern kann, dass es übersichtlich bleibt, die relevanten Informationen nicht verloren gehen und immer noch ein Mehrwert für den Durchschnittsnutzer entsteht. Im kleinen Rahmen von Friendfeed und Co, mit seinen internetaffinen und professionellen Nutzern, ohne Zweifel, aber das auf die große Masse der User übertragen, dürfte zu argen Problemen führen, so dass hier mit Sicherheit Abstriche zu machen sind. So ist es wahrscheinlich, dass sich der Markt für Onlinewerbung, zwar noch mehr auf Plattformen wie Facebook verlagert, da dort immer mehr Aktivität stattfindet und die Verweildauer größer wird, dennoch ist es wohl unwahrscheinlich, dass Google deswegen der gesamte Markt wegbricht, zumal sie selbst der Entwicklung mit Sicherheit nicht tatenlos zusehen werden. Hier kommt ein weiterer wichtiger Punkt hinzu, die Finanzkraft. Davon hat Google viel, Facebook nicht. Das Netzwerk schreibt noch keine schwarzen Zahlen und ist auf die Gunst von Investoren angewiesen. Von 50 Millionen Dollar für Friendfeed haben sie wohl, immerhin, 15 Millionen in Bar bezahlt, den Rest jedoch in eigenen Aktien, das Ausweichgeld, das sie selbst drucken können und von dem noch niemand genau weiß, wie viel es letztlich wert ist.

Dass Facebook Google also gänzlich verdrängt, ist unwahrscheinlich, aber der Wettbewerb zwischen beiden wird schärfer werden. Ob Facebook die Kraft hat, das durchzustehen wird sich zeigen, die Integration von Bing in das amerikanische Facebook deutet aber auf einen großen Kampfgenossen hin.

Diskussion

3 Kommentare zu “Facebook und Lifestreaming, die Zukunft des Web 2.0?”

  1. [...] ist es ja auch noch in der Betaphase, wir werden sehen was dann nachher dabei rauskommt. Wie ich schon einmal berichtet habe, könnten auch soziale Netzwerke wie Facebook auch dazu beitragen die Daten an einem Ort [...]

    Posted by buildblog | Google Wave macht keine Angst vor dem Internet | Oktober 20, 2009, 00:25
  2. [...] So findet man wenn man nach dem Begriff auf Buildblog sucht diesen Artikel hier, aber eben auch diesen oder diesen, die auch dieses Tag [...]

    Posted by buildblog | Was ist eigentlich… ein Tag? | November 3, 2009, 15:44
  3. [...] Allgemein wird den Empfehlungen in Zukunft ein höherer Stellenwert prophezeit, wenn es um das Finden von Produkten und Informationen geht. Da sich diese Empfehlungen aber in der Regel in den sozialen Netzwerken abspielen, konnte man sinkende User- und Werbekundenzahlen für die traditionellen Suchmaschinen befürchten. [...]

    Posted by Seosweet Blog | Google+: Deutliche Auswirkungen auf die Rankings? | Dezember 29, 2011, 18:22

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