Eine spannende Frage, die jeden Webmaster beschäftigten sollte: Wann werden unsere IP-Adress-Pools erschöpft sein und welche Auswirkungen wird das haben? Die erste Frage ist etwas einfacher zu beantworten als die zweite. Aktuelle Hochrechnungen beim derzeitigen Ip-Adressverbrauch sagen voraus, dass die IANA (Internet Assigned Numbers Authority) am 20.06.2011 keine IP-Adressen mehr haben wird. Kurze Zeit später, nach aktuellen Stand am 28.03.2012 gehen auch den RIRs (Regional Internet Registries) die wertvollen Zahlenkombinationen aus. Dann ist Schicht im Schacht.
IP-Adressvergabe jetzt schon schwierig
Da die RIPE (zuständig für die Adressvergabe in Europa) die IP-Adressen sogar schon zum Ende DIESEN Jahres ausgehen könnten, ist es jetzt schon problematisch ein zusätzlichches Subnetz, z.B. zu Virtualisierungszwecken zu bekommen. Während vor ein bis zwei Jahren als Begründung noch “Betrieb von Webservern” ausreichte funktioniert dies nun nicht mehr als Argument um an frische IP´s zu kommen. Eine der wenigen akzeptierten Begründungen ist derzeit die verwendung mehrerer SSL-Zertifikate auf einem Server. Dies liegt an der Architektur des Apache-Webservers, welcher nur ein Zertifikat pro IP-Adresse ausliefern kann. Dadurch ist der Betrieb mehrerer verschlüsselter Webadressen unterhalb einer IP-Adresse nicht möglich.
Da es sich bei IP-Adressen um eine öffentliche Resource handelt können diese nicht verkauft oder gekauft werden, dennoch ist es möglich sie zwischen den Inhabern hin und her zu tranferieren. Dies könnte uns noch etwas aufschub bei der endgültigen Erschöpfung der Pools geben, da einzelne RIRs evtl. vorhandene Adresspools aneinander abtreten könnten, falls diese bei ihnen nicht benötigt werden.
Die möglichen Folgen – Eine Fragmentierung des Netzes:
Das mitlerweile schon vor über 10 Jahren erdachte IPv6 soll das Dilemma lösen. Leider wird es das nicht tun. Es ist zwar für die Betreiber von Webservern möglich IPv4 und IPv6 Adressen parallel zu betreiben, jedoch sind die neuen schönen IP´s aus IPv4 Netzen nicht erreichbar. Die folgen: Die Netzwerkhardware muss ausgetauscht werden. Die gilt sowohl für die Provider (welche das hoffentlich größtenteils schon erledigt haben), als auch für den “normalen” Internetnutzer, der dann demnächst erstmal seinen Router wegwerfen muss, sofern die passenden Upgrades nicht verfügbar sind.
Doch es wird noch ernster: Ältere Betriebssysteme, die insbesondere in Firmen im Einsatz sind könnten in Ihren Webfunktionalitäten erheblich eingeschränk werden. Wer also irgendwo noch ein Windows 98 Betriebssystem laufen hat, sollte es schleunigst entsorgen, oder sich das Programm Trumpet kostenpflichtig zulegen. Für die Microsoft Betriebssysteme ab Windows 2000 kann ansonsten Entwarnung gegeben werden. Diese werden Microsoftseitig gepatcht. Im Falle von Linux ist das natürlich auch kein großes Problem.
Es bleibt lediglich zu hoffen, dass alle Internetzugangsprovider, sowie die Rechenzentrumsbetreiber zeitnah Ihre Netze auf IPv6 umstellen, sonst fehlen demnächst einfach große Stücke des Netzes.
Wer sich weiter über das Thema informieren möchte findet ausführliche Informationen bei der RIPE.
Ein extrem ausführlicher Bericht, inklusive passenden Grafiken, wann voraussichtlich die IPv4-Pools überlaufen findet sich unter: http://www.potaroo.net/tools/ipv4/index.html
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