Gestern war ich etwas erstaunt über einen Artikel auf netzwertig.com. Inhalt: die Architektur der Google Rechenzetren und die Folgerung, der Suchgigant habe eine derart beeindruckende technische Infrastruktur geschaffen, dass für ein Startup nahezu unmöglich sei, sich damit anzulegen. Sorry, aber das ist natürlich unfug.
Zum einen braucht Google den großteil seiner Server vermutlich gar nicht für die Suchmaschine(n). Google Maps, Google Earth, GoogleMail, Google Analytics und Services wie Blogger oder Googles eigene CloudComuting Engine, beanspruchen einen erheblichen Teil der Infrastruktur. Beschränkt man sich also auf die Suche schrumpft die Architektur und damit auch die fiktive Hemmschwelle des Serverparks gewaltig.
Cloud gegen Cloud?
Angenommen man braucht wirklich eine große Infrastruktur. Man könnte Google gegen Google antreten lassen. Der Hauseigene CloudComputingDienst hat zwar so seine Einschränkungen, aber dafür ist er kostenfrei. Hinzu kommt Amazon. Die Damen und Herren des Hauses, waren neulich so freundlich mir folgendes Mitzuteilen:
“Using Amazon Elastic MapReduce, you can instantly provision as much or as little capacity as you like to perform data-intensive tasks for applications such as web indexing, data mining, log file analysis, machine learning, financial analysis, scientific simulation, and bioinformatics research. Amazon Elastic MapReduce lets you focus on crunching or analyzing your data without having to worry about time-consuming set-up, management or tuning of Hadoop clusters or the compute capacity upon which they sit.”
Ein weiterer vernachlässigter Punkt sind Dienste wie Yahoo BOSS. Netzwertig hat das im letzen Jahr nett zusammengefasst.
“Revolutionär dabei ist, dass es keinerlei Einschränkungen gibt.” – Stimmt.
Die Argumentation, dass selbst CloudComputing bei einer solchen Skalierung eine hohe Hemmschwelle sein könnte greift ebenfalls zu kurz. Thinking the unthinkable: Die Zentralisierung des CloudComputings ist ebenso unfug wie das anmieten eigener Server. Es dürfte sich zum Schluss wohl eher so verhalten wie mit Wuala. Jeder stellt ein bisschen was von seiner Rechenleistung bereit. Das Eucalyptus-Projekt könnte dafür zukünftig die passende Grundlage liefern. Es handelt sich hier um einen OpenSource CloudComputing Dienst. Zu allem Überfluss ist das System auch noch zu Amazons Cloud-Diensten kompatibel.
Aufkommende Alternativen
Ich sage jetzt einfach mal Wolfram|Alpha.
Das Wolframs natürliche Suche funktionieren könnte ergibt sich aus zwei Sachverhalten. Erstens traue ich einem renomierten Mathematiker durchaus einiges zu. Zweitens war neulich auf ebenfalls auf Netzwertig nachzulesen: Linguee macht das Web zum Wörterbuch.
Zum einem benötigt man dafür auch einen Volltextindex. Zum anderen muss man dafür etwas schaffen was Google seit Jahren nicht brauchbar gelingt: Die Herstellung semantischer Zusammenhänge.
Ganz ehrlich: Eine Suchmaschine deren algorithmischer Hauptbestandteil nach wie vor das Random-Server-Modell (anzahl von Verweisen auf eine Seite) ist, kann man nicht ernsthaft als Zukunftsträchtig erachten.
Fragmentier mir
Es kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. Ich glaube nicht, dass das Modell einer universellen Suchmaschine auf dauer bestand haben kann. Schon aus Gründen unterschiedlicher Bedürfnisse nicht. Der Trend dürfte viel eher in Richtung spezialiserter Suchmaschinen gehen, die dann wiederum aggregierbar sein sollten. Google macht das bereits vor. Es werden zwar überwiegend eigene Services wie Youtube, Maps und News angezapft. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich das auf weitere externe Dienste ausweitet.
SocialBookmarkingServices wären eine schöne Quelle dafür. Aber auch SocialNetworks wie Twitter oder Facebook.
Wir erleben jetzt schon eine zunehmende Fragmentierung des Suchmaschinenmarktes. Neben zahlreichen Personensuchmaschinen (pipl oder yasni) gibt es solche die uns Orte (qype), oder Produkte und Dienstleistungen (doyoo) empfehlen.
Fazit: Es ist keineswegs unmöglich, dass irgendjemand das Suchmaschinenmonopol von Google bricht. Eines ist jedoch sicher: Es ist keine Frage des Serverparks. Im Grunde ist es ähnlich wie mit der Musik oder Filmindustrie. Wir wissen nicht, was da kommt, oder kommen kann. Aber es ist davon auszugehen, dass es anders wird.
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