Über Twitter und sonstige Microbloggingsysteme kann man vieles sagen. Unter anderem, dass man mit jeder Menge Müll zugeschüttet wird. Das lässt sich allerdings ganz gut kanalisieren indem man einfach nur den, für das persönliche Interessengebiet spannenden Tweetstream abgreift. Manchmal nimmt man dabei zur Kenntniss, dass durchaus interessante Medien Twittern. brand eins ist eines dieser Medien (zur Twitterseite hier). Der Twitter-Account von brandeins hat aber eigentlich eher weniger mit bran deins zu tun. “Es geht eher um die Reservierung des Namens”, so der twitternde Michael Rühl auf meine Anfrage via Xing. Und obowohl der Tweetstream von Herrn Rühl eigentlich eher belanglos ist, hat er bereits eine recht stattliche Menge von 400 followern angehäuft. Für all jene die brand eins nicht kennen: Es handelt sich dabei um ein Wirtschaftmagazin. Man könnte auch sagen brandeins ist der Alternative im Mainstream-Pop. Ich möchte da nicht länger drauf rumreiten, aber wer heute in den Kiosk geht und eine Ausgabe dieses erstklassigen Magazins kauft, wird zunächst denken: Sie ja aus wie all die alternativen Zeitschriften, die regelmäßig irgendwo auftauchen und dann wieder verschwinden. Falsch. Hier hält man das Original in den Händen. Als ich vor etwa 5 Jahren meine erste brandeins in den Händen hielt, war das die erste wirklich schöne Zeitschrift die ich gesehen hatte. Seitdem tauchen zumindest layouttechnisch immer wieder Plagiate auf.
Darüber hinaus gibt es noch zwei Dinge über brand eins zu wissen.
Schwenken wir kurz zurück zum Hintergrundgezwitscher. Heute fand ich folgende Meldung im brand eins Twitter Account: “überlegt gerade, ob brandeins.de werbefrei bleiben kann. Vielleicht ein Spendenknopf auf der Seite?”
Moment, was bitte? Ich will wirklich nicht übertreiben, aber eine der geilsten Zeischriften Deutschlands denkt über einen Spendenbutton nach? Ist die Internetpräsenz zu teuer oder macht der Verlag zu wenig Umsatz? Streichen wir die Frage und gehen das Thema rationaler an. Zuvor sollte man noch eines zu diesem Thema wissen. brand eins hat vor einigen Jahren schoneinmal versucht den Onlineauftritt zu monetarisieren. Und zwar mithilfe eines Online-Abos. Herkömmliche abonenten hatten immer Zugriff auf das gesamte Onlineangebot. Die Anderen sollten einen überschaubaren Betrag von 15 Euro pro Jahr bezahlen. Offenbar hat das nicht funktioniert, denn das Online-Abo verschwand binnen weniger Monate wieder.
Aber betrachten wir zunächst das zu monetarisierende Objekt: Wir haben hier eine Website mit 190.000 Visits und 1,7 Mio Pageviews. Das sagt uns zunächsteinmal, dass wir hier eine sehr geduldige Zielgruppe haben. Oder eine klickfreudige. Beides wäre gut. Wir können weiterhin annehmen, dass wir eine hochkarätige Zielgruppe haben. Meier, Müller und Schulze lesen Bild, nicht brand eins. Ebenfalls ein Pluspunkt.
Schauen wir mal weiter: Gehostet wird die Seite von QSC und das auf einem Microsoft IIS 6.0 Server. Dazu nur eine Theorie: Teuer und zwar richtig. Soll heißen hier gibt es Einsparungspotential.
Aus SEO-Gesichtspunkten ist die Website eine schiere Katastrophe. Alles fängt damit an, dass die Startseite eine temporäre Umleitung enthält. 48 Fehler im W3-Validator, eine absolut grausame Linkstruktur, vermutlich jede Menge dublicate Content wegen der SessionID´s in den Links, keine Keywords, keine Description und was am schlimmsten von allem ist: keine relevanten Title Tags. Trotzdem ist die Domainsichtbarkeit der Seite extrem gut. Und da liebe bran deins, retten euch lediglich die PDF´s. Das wiederum ist schlecht. Ein Suchmaschinennutzer klickt eher selten auf ein PDF-Dokument (Ladezeit) und ich mutmaße jetzt einfach mal, dass die PDF-Downloads nicht richtig getrackt werden. Machen wir einen kleinen Test und suchen nach einer für brandeins typischen Artikelüberschrift: “die stunde der idioten”. brand eins taucht eher im unteren drittel der Ergebnisseite auf. Ebenfalls sehr interessant: Das PDF-Dokument das zu diesem Artikel gehört, wurde von mindestens zwei Webseitenbetreibern einfach kopiert und innerhalb der eigenen Webpräsenz verlinkt. Böse und zwar richtig. Ich gehe jetzt mal nicht weiter auf die SEO-Gesichtspunkte ein. Erstens würde die Liste den Rahmen dieses Beitrages sprengen, zweitens muss ich noch eines Tages zum Punkt kommen. Die Essenz aus dem SEO-Kram: die Website von brand eins könnte erheblich mehr Visits haben, als dies derzeit der Fall ist.
Die Frage ist nun, wie monetarisiere ich den Content? Mein erster Einfall hierzu dürfte den Verlagen gefallen, den IVWlern eher nicht:
brand eins hat binnen weniger Tage seit der Registrierung des Twitter Accounts knapp 400 Follower gesammelt. @brandeins: Das sind Abonenten. Kostenlos. Ihr habt gerade Eure Aboauflage um 400 gesteigert! Einfach so. Wenn der Twitter Accounts also jetzt noch im Sinne von der brand eins Website genutzt würde, würde eine einfache Verlinkung von der brandeins Seite reichen um die Zahl der Follower noch explosionsartiger hochschnellen zu lassen.
Brandeins hat eine Xing-Community mit knapp 40.000 Mitgliedern, die Immerhin bisher über 20.000 Artikel verfasst haben.
@brandeins: Das sind Abonenten. Kostenlos. Ihr habt gerade Eure Aboauflage um 40.000 gesteigert! Einfach so. Und die Konsumieren nicht bloß, die reden auch noch mit Euch.
Also: Monetarisierung durch Auflagesteigerung
Die Frage im Zusammenhang mit Xing: Wieso läuft das bei Xing ab? brand eins braucht eine eigene Community. Auf der eigenen Website. Drücken wir es mal stark vereinfacht aus: brand eins wird von der Weltverbesserungselite gelesen. Ich spekuliere mal das die Leserschaft finanziell recht gut dasteht. Weiterhin unterstelle ich, dass die Leserschaft durchaus an alternativen Weltsichten interessiert ist. Lasst Sie darüber reden und verkauft die Daten. Das geht durchaus auch gezielt: “Hallo liebe Community: Porsche hat uns gefragt, wie das nächste Zukunftsauto aussehen könnte. Wir haben uns Gedacht: Ihr seit die Elite, also fragen wir euch. Viel spaß beim Disskutieren.”
Also: Monetarisierung durch Marktforschung
Wenn man schonmal eine Community hat die man kennt und mit der man in Kontakt tritt, bietet sich Empfehlungsmarketing förmlich an. Ich persönlich bin sehr daran interessiert, was jemand wie Wolf Lotter in seinem Bücherregal stehen hat. Und ich würde ebenso den dazugehörigen Amazon Link anklicken, wie ich einer Musikempfehlung von Gabriele Fischer folgen würde. Na gut, bei der Musik bin ich mir nicht ganz so sicher, aber ich bin da etwas speziell.
Also: Monetarisierung durch Empfehlungsmarketing
brand eins könnte Cooler sein. Lasst Euch ein paar brand eins-Spezifische Shirts von katzundgoldt zeichnen und verkauft sie. Das ist vielleicht nichts für die älteren Leser aber für mich. Für die hippen Manager gibt es ja auch das Video-Sakko. Erweitert Eure Onlineleserschaft indem Ihr Schulen bzw. Schüler auf das Onlinenagebot von brand eins aufmerksam macht. Online ist für diese Zielgruppe erschwinglich und das ausgedruckte PDF ist immernoch cool genug um Lehrer und Mitschüler zu beeindrucken. Hat bei mir jedenfalls damals geklappt.
Also: Monetarisierung durch Merchandising
Vom Modell Werbung würde ich zumindest im direktvertrieb abraten. Die Kunden könnten auf die Idee kommen, dass wenn Ihre Werbung online nicht performt, sie sich die Printanzeige auch sparen können. Eine mögliche Alternative wäre AdSense. Das ist für Anzeigenkunden hinreichend intransparent und für User hinreichend relevant. Das würde ich einfach mal antesten. Wichtig in diesem Zusammenhang: Die Werbung sollte einzig und allein auf den Artikelseiten erscheinen, nicht auf den Zwischenseiten und auf keinen Fall den Lesefluss unterbrechen.
Also: Monetarisierung durch DEZENTE Werbung
So viel zu den Standards. Aber wir sind ja brand eins. Man sollte jeden Artikel bewerten können. Auf einer Skala von 1 bis 10. Der Clou – Die bewertung kostet Geld. Zwischen 10ct und 1 Euro, abhängig von der vergebenen Punktzahl. Und weil das schön alternativ ist schreiben wir nicht die Bewertung unter den Artikel sondern den Spruch: “Dieser Artikel ist 300 Euro Wert”.
Also: Monetarisierung durch kreative oder undenkbare Alternativen
Jetzt brauche ich nur noch jemanden dem ich die Rechnung für diesen Beitrag schreiben kann. Hat hier jemand Monetarierungsvorschläge?
[...] befasse ich mich die meiste Zeit mit den Themen Social Media und Monetarisierung von Webpräsenzen. Das beste daran: Es gibt tatsächlich recht viel Fachliteratur zu diesem Thema. Aktuell habe ich [...]
[...] Das leise Zwitschern im Hintergrund oder die Monetarisierung des sterbenden Standes Tags: Blog, Internetnutzer, monetarisierung, SocialMedia, Web 2.0 [...]
[...] Die Moneatrisierung des sterbenden Standes [...]
[...] hier: http://www.buildblog.de/2009/02/26/das-leise-zwitschern-im-hintergrund-oder-die-monetarisierung-des-... [...]
[...] hier [...]
Wäre eigentlich interessant zu wissen, wie man diesen Artikel aus heutiger Sicht, ein Jahr später, schreiben und beleuchten würde. Heute sind 400 Follower schon keine “beachtliche” Menge mehr, obwohl ich sagen würde, dass 400 echte Follower mehr wiegen als 4000 falsche. Aber darüber können wir per Mail nochmal diskutieren?