Die Webzukunft der Filmindustrie

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Die Webzukunft der Filmindustrie

Die Webzukunft der Filmindustrie

Es gibt Menschen auf dieser Welt, die machen sich noch über Filmindustrie Gedanken. Eine Mutlimillarden-Dollar-Industrie auf dem absteigenden Ast. Doch eigentlich ist es gar nicht so dramatisch wie es aussehen könnte. Steve Jobs macht es uns vor: Die Zukunft des Fernsensehen liegt wie die der Musikindustrie in einem System, dass jedermann leicht zugänglich ist: Im Internet. Genau das Netz, was wir alle gerade voller Freude benutzen. Zum Informationsaustausch, zum Einkaufen, zum Konsum aller Art. Sei es der Konsum von Pornographie oder der Konsum von Büchern, Musik und Filmen.

Das Netz, in seiner derzeitigen Form, ist vor allem eines: Eine Konsumplattform. Und zwar eine derart universelle, dass man beinahe alles darüber beziehen kann. Unabhängig davon ob es sich um digitale Inhalte wie Bilder, Videos, Musik, Warcraft Figuren oder analoge Güter wie Bücher, Lebensmittel, Möbel, Autos oder sonstiges handelt. Sogar Dienstleitungen aller Art lassen sich darüber beziehen. Das Internet ist eine Plattform für beinahe jedes Bedürfnis geworden. Es spielt dabei keine Rolle ob man sich für Strickmuster oder rechtsradikales Propagandamaterial interessiert.

In meiner Jugend war das universale Datenparadies vor allem eines: Ein rechtsfreier Raum in dem man ohne Probleme auf Bombenbauanleitungen, Pornos, urheberrechtlich geschütze Werke und irgendwelche Weltverbesserungsideologien stieß. Heute ist es etwas komplizierter geworden, denn die rechtssprechung lernt zunehmend das Schreiben des Wörtchens “Internet”.

Trotzdem ist liegt der Ursprung des Netzes irgendwie in etwas anarchischem, in den Träumen der 60er Jahre als die moderne Datenverabrietung und entstand und hoffnung auf ein besseres Leben und erweiterte Geisteshorizonte schürte. In den Publikationen der 60er und 70er Jahre wurde der Computer als “Die beste Erfindung seit den psychadelischen Drogen” gefeiert und fand auch in eher analog ausgerichteten kulturellen Kreisen seinen Einzug. Man denke da nur an France Galls – “Der Computer Nr. 3“. France Gall hat also die moderne Patrtnervermittlung erfunden, andere antizipierten eine Welt in der man Musik online kaufen kann.

Als Tim Berners Lee das Internet erfand, war es konzipiert als multimediale Plattform zum Informationsaustausch. Die Beschaffenheit des Mediums hat viele Dinge entmaterialisiert. Ich brauche keine Schallplatte oder CD, ich brauche keine Briefpapier, keine Druckerei, keine Zeitung, kein Foto, keinen Kopierer. Ich brauche noch nichtmal einen Einkaufswagen. Und natürlich brauche ich auch keine Videokassette mehr.

Digitale Güter lassen sich kostenfrei und massenweise reproduzieren. Übrigens ist diese Reproduktion schon immer ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur gewesen. Vor nicht allzu vielen Jahren war es üblich jemandem ein Mixtape aufzunehmen oder eine Sendung aus dem Fernsehen aufzuzeichnen. Niemand wäre auf die Idee gekommen das als Urheberrechtsverletzung zu betrachten. Verschicke ich heute ein MP3 oder einen Film mache ich mich strafbar. Die derzeitige Gesetzgebung bricht also mit seit langer Zeit vorherrschenden Traditionen.

Bis jetzt, denn wir befinden uns mal wieder im Umbruch. 

Für die Filmleute gibt es zur Zeit vier interessante Entwicklungen, die vielleicht nicht so gewichtet werden, wie es gerade tue: Breitband-Internet wird noch breitbandiger, die Musikindustrie schafft allmählich den Kopierschutz ab, iTunes verkauft bereits seit längerem Serien, und, was vielleicht der wichtigste Punkt ist: Es gibt Menschen die noch über das Thema Content-Distribution nachdenken. Meiner möglicherweise unbedeutenden Meinung zufolge fußt die Entwicklung der Filmindustrie innerhalb der letzen Jahre auf folgendes:

  • Ich kann mitlerweile fast jeden Film aus dem Internet laden
  • Die Internetbandbreiten werden immernoch größer
  • Man erfindet ständig neue Formate, die Kaufanreize für neue DVD´s BlueRay Discs, und was da sonst noch kommen mag, bilden sollen

Dummerweise, und das ist schade, werden bisher konsequent ein paar Dinge von der Filmindustrie verkannt.

  • Das Internet ist eine hervorragende Content-Distribution Plattform
  • Es wäre erheblich geschickter, jemanden wie RapidShare als Distributor zu betrachten als ihn als Feind zu verklagen
  • Die bisherigen, zaghaften Versuche kommerzielle Video-Inhalte im Internet zu veröffentlichen, ich denke da insbesondere an Portale wie maxdome, sind schon augrund der Preise zum scheitern verurteilt (Ich werde niemals für eine Serienfolge die ich 24 Stunden lang sehen kann mehrere Euro bezahlen)
  • Im Falle von iTunes möchte ich die runtergeladene Serie, aller wahrscheinlichkeit nach, mit anderen sehen, was ich nicht kann, wenn ich nicht meinen gesamten iTunes Account freigebe

Ich könnte jetzt natürlich wie ein Blöder fordern: Das muss alles billiger werden, das handling muss einfacher werden. Wie Aldor bereits ausführlich darlegte, ist das Thema DRM mitunter ein recht komplizierters. Besonders aus User-Sicht. Der Knackpunkt liegt aber eigentlich ganz woanders, denn die Anbieter von Videoinhalten haben erheblich mehr Probleme mit dem Thema Content-Distribution als die von Audioinhalten.

Audiodateien sind verhältnismäßig klein. Im Vergleich zu einem Video reden wir hier von Faktoren zwischen 1:200 (WMV, Xvid, etc.) bis zu 1:5000 (HD-Videos). Dies bedeutet, dass die Kosten für die Übrtragung eines Filmes bis zu 5000 Mal höher sind, als bei einem einzelnen Musikstück. Gleichzeitig möchte ich natürlich für einen Film nicht wirklich mehr bezahlen als für einen Audiotrack, in keinem Fall aber mehr als in der Videothek um die Ecke.

Um dies zu gewährleisten bräuchte ein Anbieter entsprechender Inhalte aber vernünftige Trafficpreise. Amazon S3 beispielsweise nimmt ca. 10ct/GB. Ähnlich sieht es bei billigen Providern wie Hetzner aus, wobei mir weder Amazon noch Hetzner irgendwelche Garantien hinsichtlich der Bandbreite geben, was ein massives Problem ist, wenn ich viele Zuschauer gleichzeitig versorgen muss. Nachdem ich mich bei einigen Providern erkundigt habe komme ich zu folgendem Ergebnis:

1Gbit garantierte Bandbreite kostet derzeit pro Monat durchschnittlich 4000 Euro. Das Gigabit entspricht bei voller Auslastung in etwa 300 TB Datentransfer pro Monat. Im Umkehrschluss hat dies zur Folge, dass ich für 4000 Euro insgesamt 300.000 Filme zu je 1GB Streamen könnte. Daraus folgen Kosten von 13Ct pro Film, was viel zu teuer ist. Grund:

  • Ich brauche eine Plattform die ich entwickeln lassen muss
  • Ich muss für die Wahrung der Urheberrechte sorgen, was wiederum Geld kostet (DRM-Lizenzen)
  • Die Filmindustrie muss auch Geld verdienen, ich muss also Lizenzgebühren für die Inhalte bezahlen
  • Mit einer Bandbreite von 1Gbit kann ich maximal 500 Kunden gleichzeitig versorgen, was wiederum viel zu wenig ist um Lastspitzen abzufangen

Kurz: DRM muss abgeschafft und die Bepreisung von digitaler Videoinhalten vereinheitlicht werden. Das klingt schon wieder nach Forderung. Also:

DRM wird abgeschafft. Die Musikindustrie hat dies mit Hilfe von iTunes und Musicload vorgemacht. Es wird aber noch mehr passieren. Die Trafficpreise werden weiter fallen (potentiell ist dies jetzt schon Möglich, wenn man erheblich mehr Traffic abnimmt). Dazu ist aber das Aufbrechen gewisser Leitungsmonopole erforderlich. Alternativ ist auch denkbar, dass sich große Leitungsanbieter zusammenschließen und dadurch tatsächlich mal “das eine Netz” entsteht in welchem dann die Peering-Kosten entfallen würden. Ich bin wahrlich kein Beführworter von Monopolen, aber wenn es um die Reduzierung von Kosten geht haben diese durch Industrialisierung eines Produktes das größte Kosteneinsparungs- bzw. Preissenkungspotential.

Sharehoster, das Usenet, und besonders Peer2Peer Dienste werden nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen, sondern als Content-Distritbution-Plattformen. Youtube macht es bereits vor. Durch den Einsatz von Content-Recognition Systemen werden die Inhalte dort zuverlässig erkannt und die Labels gemessen an der Anzahl der Wiedergaben bestimmter Stücke an den Werbeeinnahmen beteiligt.

Die Media-Player der Zukunft werden Ihre Inhalte aus all diesen Quellen beziehen und die Traffic-Last über die Anbieter verteilen. Im Gegenzug werden die Anbieter für das Bereitstellen der Bandbreite bezahlt. Weder die Musik- noch die Filmindustrie wird jemals wieder einen Sharehoster oder Usenet-Provider verklagen. Denn diese Stellen zukünftig den gigantischen Speicherplatz der für eine umfassende Plattform erforderlich zur Verfügung. Auf Basis dieser Verteilung des Traffics und des erforderlichen Speicherplatzes werden in diesem “distributet system” sämtliche Inhalte zentral organisierbar vorgehalten.

Es entsteht eine neue Wertschöpfungkette die die Bepreisung digitaler Inhalte derart vereinheitlicht, dass jeder einen Kulturservice alá maxdome oder iTunes durch ein einfaches MashUp erzeugen kann. Es wird nichteinmal mehr erfoderlich sein, die Daten auf der eigenen Festplatte zu speichern, denn wir finden ohnehin alles Online.

Durch eine solche Organisation und die Nutzung bestehender Infrastrukturen wird die verbreitung digitaler Inhalte derart billig, dass überhaupt kein interesse mehr daran besteht eine Datei illegal zu kopieren. Es besteht noch nichtmal bedarf daran überhaupt noch irgendeine Datei zu kopieren.

Vielleicht werde ich mit dieser Voraussage recht behalten.

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