Auch 2008 veranstaltete der Chaos Computer Club e.V. (CCC) wieder seinen alljährlichen Chaos Communication Congress und das nun schon zum 25. mal in Folge.
Der CCC
Ein paar Worte zum CCC allgemein: dieser ist ein Club von Freidenkern, Hacktivisten, Computercracks und/oder einfach einfach nur sehr kreativen Menschen. In der Vergangenheit ist er immer wieder dadurch aufgefallen, das er gravierende Sicherheitslücken in Computersystemen aufdecke. Unter anderem sehr bekannt: Der schon etwas ältere NASA-Hack und BTX-Hack, aber auch jetzt sind sie noch sehr aktiv. So wurde zum Beispiel letztes Jahr von ihnen bewiesen, wie leicht sich Wahlcomputer manipulieren lassen. Im Zuge des immer weiteren Ausbau des Überwachungsstaates finden sie auch an Fingerabdrücke von Politikern zu sammeln und zu Publizieren. Sehr viel Aufmerksamkeit verursachte die Veröffentlichung des Fingerabdrucks von Wolfgang Schäuble.
Der Kongress
Ein paar Worte zum Congress allgemein: Seit Jahren ein Treffen der Computerszene aus Ganz Europa und darüber hinaus. An 4 Tagen finden im schnitt um die 100 Vorträge statt. Diese drehen sich um die verschiedensten Themen. Unter Anderen zum Beispiel Vorträge zur Sicherheit von IT-Systemen, zu gesetzlichen Entwicklungen, oder aber darüber was man mit Computer noch alles machen kann. Auch sehr beliebt ist der Jahresrückblick und die Fnord News Show. Diese nehmen sich aber nicht immer ganz so ernst.
Die Ankunft
Als ich am 27.12 in Berlin ankam hatte ich mir schon gedacht das ich nun erstmal ein Weile anstehen könnte, doch weit gefehlt. Da ich mich ein wenig in der Zeit vertan hatte kam ich eine halbe Stunde nach Einlass und alle waren schon drin. Musste also nicht am Eingang und in der Kälte warten. Das war schon mal sehr positiv, dass das so schnell ging. Auch das Personal im Eingangsbereich war sehr nett und nicht irgendwie abgehetzt oder sonstiges.
Da ich also zu spät war, hatte die Eröffnungszeremonie schon angefangen und ich bekam keinen Platz mehr in Saal 1, welcher hoffnungslos überfüllt war.Wie eigentlich den Rest des Congresses auch. Also nahm ich mir die Zeit mich einmal ein wenig umzusehen. Auf den Gängen war zu der Zeit noch nicht soviel los wie später, wo man in jeder ecke jemanden mit einen Laptop sitzen sah. Übrigens hab ich noch nie so eine Anhäufung von Macs und Thinkpads gesehen, welche ungefähr 90% der Anwesenden benutzten.
Auch waren die Leute der ganzen Projekttische auf den Gängen auch noch nicht alle da. Allgemein noch etwas leer. Was sich im Verlauf aber auch noch änderte. Es herrschte eigentlich zu jeder Stunde reges treiben an den Tischen, immer waren Leute in Diskussionen verwickelt, wollten wissen was denn da so gemacht wird oder wie das oder dies umgesetzt worden ist. Auch sehr interessant: das Hackcenter. Dieses befand sich im Keller, dort waren die Sprecher mit ihren Projekten oder eher gesagt die etwas größeren Projekte angesiedelt. Unter anderen war hier das OpenWRT und OpenBSD Team, aber auch das OpenBTS Team. Hätte man lieber OpenHackcenter nennen sollen. Auch auf den Gängen fanden sich die POC und NOC-Desks.
Das PhoneOperationCenter (PUC)
Das POC (PhoneOperationCenter) als Anlaufstelle um sein DECT ins interne Telefonnetz einklinken, womit man auch extern telefonieren konnte und erreichbar war. Und zum anderen das NOC (NetworkOperationCenter) hier seinen HelpDesk, welcher alle möglichen Fragen zum LAN/WLAN und sonstigen technischen Fragen zu beantworten versuchte. Hier bekam man auf anfrage auch feste IPv4-Adressen, falls dies aus irgendeinen Grund nötig sein sollte. Zuletzt wäre noch das Catering zu erwähnen, welches einen immer mit frischer Club-Mate und auch den einen oder anderen Snack versorgt. Dies aber zu etwas hohen Preisen wie ich finde. Naja am Alex um die Ecke gab es ja noch genug andere “Restaurants”.
Shopping im UmtauschMarkt
Nach dem ich mich dann ein wenig umgesehen hatte, hab ich mich dann auch mal niedergelassen und ein wenig das lokale Netz erkundet. Einerseits konnte man sich an einen der vielen Switche einstecken, welche überall in der Gegend herumgestanden oder man versuchte das WLAN zu benutzen. Am ersten Tag konnte man das auch noch nehmen. An den folgenden Tagen und allgemein in den Sälen, war das aber eher eine schlechte Idee. Denn das WLAN war so gut wie immer überlastet. Deswegen besorgte auch ich mir im nächst gelegenen MediaMarkt ein Netzwerkkabel und war damit bei weiten nicht der Einzige. Hier wurden auch so einige DECT-Telefone gekauft, um über den Congress hinweg erreichbar zu sein, natürlich hat man immer noch 14 Tage Umtauschrecht, wo man auch bei nicht gefallen, das erstandene Produkt wieder umtauschen kann. Dies machten dann auch viele gleich nach dem Kongress.
MediaMarkt-Mitarbeiter kennen diese Spiel schon, haben aber nichts dagegen, sie empfehlen einen sogar ein DECT-Gerät und weisen darauf hin, das dies auch schon “die Anderen” gekauft hätten. Zurück auf dem Kongress, mit einen Netzwerkkabel bewaffnet lies es sich dann im Netz mit erträglichen Geschwindigkeiten wieder aushalten.
Connectivity
Das LAN-war sehr stabil und schnell. Was auch zu vermerken sei: man bekam echte öffentlich IPv4-Adressen zugewiesen, somit war eine Erreichbarkeit auch von außen gewährleistet. Und als ob das nicht schon genug wäre, wurden auch noch IPv6-Adressen vergeben. Auf der CongressWebsite hatte ich mir dann die LiveStreams rausgesucht. So konnte man den Congress auch verfolgen, wenn man nicht vor Ort war, oder vor Ort, aber nicht in einen der 3 Säle.
Vorträge Live
Es wurden alle Vorträge Live übertragen. Außer vielleicht bei dem ein oder anderen Vortrag, wo die Sprecher dann einen bestimmten Teil, nicht gefilmt haben wollten. Der Congress wurde aber nicht nur live gestream, er wurde auch aufgenommen. Die Mitschnitte werden dann mit der Zeit nach und nach bearbeitet und veröffentlicht werden, sodass man immer mal noch in den Vortrag von letztes Jahr hineingucken kann. Was mich an vielen Vorträgen ein wenig störte, war, das obwohl der Redner deutsch war, trotzdem versucht wurde diesen auf englisch zu halten. Vielen ist dies auch sehr gut gelungen, einigen allerdings gar nicht. Meistens gings es aber.
Es gab auch einen Vortrag, wo ich bis zum Ende dachte, der Redner sei Amerikaner, bis er auf einmal anfing, klar und deutlich deutsch zu sprechen, mit Dialekt! Im allgemeinen wurde sich bei den Vorträgen auch gut an den Fahrplan gehalten, so das es kaum zu Verzögerungen oder Verschiebungen kam. Neben den Vorträgen war aber auch das Publikum sehr international. Aus ganz Europa waren Leute angereist, aber auch darüber hinaus. USA, Kanada, Australien und Russland, um nur einige zu nennen. Das war alles sehr interessant zu erleben, wie die Verschiedensten Menschen versuchten untereinander ihr Ansichten auszutauschen, teilweise mit Hand und Fuß, weil einer den anderen nicht wirklich verstand, linguistisch gesehen.
Neben den Vorträgen und den Besuchern, fielen aber auch die Veranstalter sehr positiv auf. Immer zur Stelle wenn etwas schief ging, was nicht oft der Fall war. Nett und zuvorkommend, immer bemüht einen doch noch irgendwie zu helfen, auch wenn sie eigentlich keine Ahnung hatten was man von ihnen wollte. Allgemein alles sehr zufriedenstellend. Das einzige worüber man doch einmal nachdenken sollte, wäre die Wahl des Ortes. Denn das BCC platzte aus allen Nähten. Da wäre eine etwas größere Location gar nicht so schlecht. Aber sonst schien alles sehr gut geplant und umgesetzt zu sein. Man wird sich also bereits auf den nächsten Kongress freuen dürfen.
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