Das neue Jahr wird spaßig. Die Venutre-Capital-Geber haben demnächst nicht mehr ganz so viel Geld, Google fragt endlich die Nutzer was sie eigentlich wollen und die Menschen hören einfach nicht mehr zu, wenn man ihnen simple Fragen stellt. All das, könnte man sagen, gibt Anlass zur Sorge. Als ich diesen Beitrag vor mehr als einem halben Jahr begonnen habe wollte ich mit dem Titel zum Ausdruck bringen, dass das Internet langsam erwachsener wird.
Diese Ansicht vertrete ich immernoch. Eine Technologie im Hype zu pushen wäre ein Zeichen dagegen. Und was erleben wir gerade? Richtig Zurückhaltung. Die Jahresprognosen für 2009 trüben sich langsam ein. Es herrscht Weltuntergangsstimmung. Das passiert bekanntermaßen alle paar Jahre und ist letzlich zu begrüßen. Man muss sich gelegentlich eben auf ein paar Werte besinnen und nicht jedes Jahr eine neue Internetsau durch globale Dorf treiben. Die derzeit schlechte Stimmung spricht für diese Besinnung, denn es wird ruhiger werden. Und das ist die einzige Prognose, die ich für das nächste Jahr abgebe: Ruhe, Besinnung und Geschäftsmodelle die wirklichen Mehrwert für den Nutzer bieten. Einige davon werde ich hier in den nächsten Tagen und Wochen vorstellen. Und dazu gehört eben nicht so ein Müll wie Twitter oder Wer-Kennt-Wen.
Vielleicht kommt ja jetzt wirklich mal die Zeit der intelligenten Lebenskonzepte außerhalb der Festanstellung. Beflügelt durch die neuen Möglichkeiten der Kommunikation und beflügelt durch reihenweise Arbeitslos werdende Programmierer, zu denen ich jetzt auch zähle. Allerdings halte ich auch das für Begrüßenswert, denn es gibt mir eben die Möglichkeit über neues nachzudenken. In diesem Zusammenhang gab es bereits in 2007 ein bisschen Literatur, die mich nachhaltig bewegt hat. Wir nennen es Arbeit, Linked und kürzlich Einkommen für alle. Es gibt offenbar noch ein paar Menschen auf diesem Planeten die sich ein paar tiefergehende Gedanken über das Leben und die Gesellschaft machen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass insbesondere “Wir nennen es Arbeit” und “Einkommen für alle” voll im Mainstream angekommen sind. Wodurch? Geschwollen gesagt: durch kollektive Intelligenz, durch Blogs, durch Fernsehberichte. Das Internet ist erwachsen geworden, es wird als Informationsquelle verwendet, und das längst nicht nur von Schülern.
Der Wandel steht nicht erst vor unserer Tür. Er ist bereits mitten unter uns. Während Martin Weigert in der Internetagenda 2009 noch ein paar recht plakative Forderungen stellt (für wen eigentlich? Die Zielgruppe dieser Agenda dürfte wohl kaum den Netzwertig lesern entsprechen), wie die, dass man die mediale Revolution akzeptieren oder das Web als Bereicherung des sozialen Lebens betrachten müsse, fordert, würde ich vielmehr behaupten, dass diese und die anderen Punkte bereits zur Selbstverständlichkeit gehören. Nicht für meinen Großvater und vielleicht auch nich für meine Mutter. Aber für mich und für einige Millionen anderer Menschen in diesem Lande. Also die, die über die Zukunft tatsächlich entscheiden. Wie heißt es noch so schön? “Du bist Deutschland!”. Richtig. Wir tragen selbst die Verantwortung. Medienkompetenz, und darunter würde ich die Internetagenda zusammenfassen, ist in meinen Augen eine eher evolutionäre Sache. Sie kommt. Ich hätte sie auch gern schneller, aber so einfach ist das eben nicht. Es ist wie mit jeder technologischen Neuentwicklung: Minderheiten feiern Sie, der Mainstream adaptiert sie und schon sind die vormaligen Minderheiten die Lobbyisten 2.0. Die Steinewerfer von heute sind nunmal die Politiker von morgen. Das war bei Joschka Fischer so und bei Larry Page und Sergej Brin ist es, zugegebenermaßen im übertragenden Sinne, auch nicht anders.
Wir haben mit dem Internet bereits eine wichtige Schwelle übertritten. Es wird im Meinstream angenommen. Über 95% der deutschen Bevölkerung kennen jüngsten Umfragen zu Folge das Wörtchen Google. Nicht annäherend so viele haben einen Internetzugang. Aber wir arbeiten dran. Wir arbeiten vor allem damit, mittendrin. Und wir verdienen Geld damit. Wir schaffen Mehrwert und wir schaffen umengen von Content. Mit Applikationen die erwachesener geworden sind. Heutzutage ist jedem, der über einen Internetzugang und nur sehr rudimentäres technisches Wissen verfügt ein aktiver Teil der Medienlandschaft zu werden. Mit eigenen Lesern, Fans, Zuschauern oder Kunden. Vielleicht auch ein bisschen von allem. Seitdem das Internet in den vergangenen zwei Jahren insbesondere sozial geworden ist, ist es auch erwachsen geworden. Wie wir die Pubertät verlassen und zu einem wertvollen Teil der Gesellschaft werden, so ist das Internet auch zu einem wertvollen Teil der Gesellschaft geworden.
Das Ende vom Anfang des Internet: http://tinyurl.com/8xpbr9
[...] was mich schon wieder auf Martin´s Internetagenda 2009 gebracht hat. Denn auch wenn ich nicht so richtig damit übereinstimme, dass es erforderlich wäre in der digitalen Welt darauf hinzuweisen, sondern eher in anderen [...]
Nur ein Test: http://tinyurl.com/8xpbr9