Studivz und die harten Zeiten

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Studivz und die harten Zeiten

Immernoch wird ständig irgendwo, irgendwas über Studivz geschrieben. Meistens sind die Schlagzeilen negativ. Viele Fehler wurden gemacht und Geld bringt der Laden auch nicht.  Der Übernahmepreis war, wie es heißt, viel zu hoch und Holtzbrinck scheint  gelegentlich in ungezügelten Aktionismus auszubrechen. Jedenfalls macht es zeitweise den Eindruck.

Jetzt sind die Gründer weg. Das wurde schon im Übernahmevertrag anfang 2007 geregelt und ist eigentlich auch als eher unbedeutend zu sehen. Denn besondere Kreativität kann man diesen Leuten nicht wirklich nachsagen. Sie haben ihr Geld mit dem Verkauf zum richtigen Zeitpunkt verdient und hatten infolge dessen auch keinen besonderen Bedarf für Kreativität. Nun heißt es ständig irgendwas mit harten Zeiten.

Das ist in vielerlei hinsicht Bullshit. Auch dann wenn Holtzbrinck mal langsam zusehen muss, wie man denn aus den 100 Mitarbeitern und 100.000 Datenbankabfragen pro Sekunde Geld generiert. Ich bin der Ansicht man vertritt da eine ganz gute Strategie. Auch wenn man immernoch keine OpenSocial Schnittstelle hat, agiert Studivz zwar langsam aber kontinuierlich. Natürlich hat man mit dem Problem der Komplexität von Social-Media-Marketing zu kämpfen. Dennoch: das Portal wird Stück für Stück mit neuen Features angereichert und die Nutzerzahlen steigen nach wie vor. Das wer-kennt-wen.de jetzt mehr PI´s vorzuweisen hat interessiert den Henker, den PageImpressions sind kein Kriterium für den Erfolg oder gar die Monetarisierbarkeit von Sozialen Netzwerken. Der Laden aus meiner Nachbarschaft (Wer kennt Wen sitzt bei mir praktisch um die Ecke) hat gegenüber Studivz keinerlei Vorteil. Eigentlich ist es ebenso wie Studivz es war einfach nur ein billiger Abklatsch von irgendwas. In diesem Falle eben von Studivz und somit indirekt auch von Facebook. Ich bin gespannt, wann Holtzbrinck die Kölner Truppe wegen der nicht ganz unauffälligen Ähnlichkeit des Logos verklagt. Infolgedessen würde ich sagen: wer-kennt-wen.de hat absolut keine Existenzberichtigung und die Sache mit den PI´s wird sich massiv ändern, weil eben jeder schon vorher bei mindestens zwei Social Networks angemeldet war.


Xing bietet mir als Selbständigem wirklichen Mehrwert, bei Studivz bwz. MeinVz halte ich Kontakt zu meinen studentischen Freunden und bei Facebook und MySpace bin nur um zu sehen, was da so geht.

Jetzt also auch noch wkw… Nein! Ich habe mir einen Account angelegt nur um ihn demnächst wieder zu löschen. Als Verifizierung dafür, dass Wer-Kennt-Wen nichts, aber auch gar nichts taugt haben mir 2 Tage gereicht. Und als Verifizierung dafür, dass der Hype sehr schnell sein Ende finden wird. Denn von den 20 Leuten die mir eingefallen sind, die ich dort kenne, haben binnen 48 Stunden nur 2 auf meine Kontaktanfrage reagiert. Das spricht eigentlich nur dafür, dass die Meisten sich dort nur anmelden um zu sehen ob man irgendwas davon hat. Da dies nicht der Fall ist wird der Account auch ganz schnell wieder auf Eis gelegt.

Was müsste die Social-Network-Szene denn jetzt tun?

Eigentlich ist alles ganz einfach: Redaktionellen Content einbinden, redaktionellen Content von den Usern schreiben lassen. Öffentliches Blogging erlauben, öffentliche Profilseiten erlauben kurz: zum Webhoster werden. Plötzlich hat jeder Nutzer seine eigene Internetseite nach belieben inklusive vollständigem Social Graph. Die Nutzer Verbinden Ihre Seiten miteinander, binden Redaktionelle beiträge von der “Die Zeit” ein, bewerten diese (yigging) und Disskutieren auf Ihren eigenen Seiten darüber. Sie empfehlen sich öffentlich zugänglichen Content über Links (social bookmarking). Und weil das alles so viel Spaß macht wird auch noch über AdSense personalisierte Werbung eingebunden um das ganze zu refinanzieren. Zur Abrundung könnten Seiten die sich ähnlichen Themen widmen oder Nutzer, die ähnliche Interessen haben Ihre Seiten zu Content-Clustern zusammensetzen um auf diese Weise mehr andere User anzuziehen.

Das ist Social Networking. Und nicht irgendein Mail-Ersatz, wie er derzeit stattfindet und dessen einziger Mehrwert es ist, dass man zufällig auch noch Fotos ansehen kann und über Gruppen wie “fickt-das-system” irgendwelche Irrelevanten Parolen in sein Profil schreibt.

Zudem ließe sich auf diesem Wege auch noch zusätzliches Geld durch nicht kostenfreie Features verdienen. Wenn ich von Studivz gehostet werden könnte, inklusive meines social Graphs, meiner Kontakte, meiner Blogtätigkeiten, meinem Social Bookmarking, Twittering, Yigging, Digging, ShortNews-Gedöhns usw., warum sollte ich die Dienste dann woanders in Anspruch nehmen. Um das noch weiter zu treiben: ich würde sogar Geld dafür ausgeben. Nur damit ich nicht jeden morgen 100 Dienste checken muss, ob irgendetwas neues passiert ist. Wie gesagt: das ist Social Networking. Und das ist der Grund warum soziale Netzwerke OpenSocial brauchen, und warum Studivz endlich damit an den Start kommen sollte. Nich um wie im Falle von Facebook absolute irrelevante Apps bereitzustellen.

Und was hat das mit der Überschrift zu tun? Im Konsens würde ich sagen: Studivz ist mit seiner langsamen Entwicklung auf gutem Wege. Stellenweise ist es noch massiv ausbaufähig, aber das ist Buildblog auch. Die Zeiten werden keines Wegs so hart sein, wie es an anderen Stellen immer angenommen wird. Holtzbrinck ist ein guter und umsichtiger Investor. Auch wenn der Preis für Studivz gefühlt zu hoch war: Geduld ist gefragt.

Als kleiner Tipp für die Studivz Programmierer oder Entscheider: verschendet nicht so viel Zeit mit den Bildergallerien, kümmert euch um extern einsehbare, veränderbare Profilseiten. Dann braucht plötzlich auch keiner mehr MySpace.

Diskussion

2 Kommentare zu “Studivz und die harten Zeiten”

  1. Naja; ich und meine Freunde sind kürzlich von StudiVz nach Facebook umgezogen.

    Wir bereuen den Schritt nicht, sondern ermuntern vielmehr die übrigen Freunde auch diesen Schritt zu gehen.

    Bei Facebook funktioniert zumindest das Social bookmarking perfekt; das alleine ist für mich ein Grund , bei Facebook zu bleiben

    Posted by Der Pfälzer | Dezember 24, 2008, 13:41
  2. [...] Der Blog findet sich jedenfalls unter http://developer.studivz.net/ und berichtet derzeit interessantes: Studivz bekommt eine iPhone Applikation. Während man sich andernorts darüber wundert, dass im Hause Studivz etwas passiert, halte ich das für durchaus nachvollziehbar. Wie gesagt: Studivz verändert sich langsam, aber stetig. [...]

    Posted by buildblog | Studivz bekommt Entwicklerblog und iPhoneApp | Februar 9, 2009, 16:58

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