“Programmierergesocks!”, war auch einmal ein berüchtigtes Zitat in unserer Firma.
Was schließt man daraus? Softwareentwickler innerhalb eines Unternehmens haben einen nicht ganz einfachen Stand. Die Probleme fangen damit an, dass die Arbeit die von einem Softwareentwickler geleistet wird nicht immer sofort ersichtlich wird. Das kann bei den “belieferten” Zielgruppen, wie Buchhaltung und Kundenbetreuung zu unmut führen, welcher nicht immer ganz unberechtigt ist.
Willkommen im zweiten Teil meiner Serie über “allgemeinere Softwareentwicklung”.
Andererseits ist es auch nicht die Aufgabe eines Kundenbetreuers verständnis für ein nicht rechtzeitig oder nie bereitgestelltes Feature aufzubringen. Um aber ansatzweise einen Eindruck davon zu bekommen wie es zu nicht gelösten Softwareproblemen oder verspäteten Releases kommt muss man die Arbeitsweise eines Softwareentwicklers zumindest in ihren Grundzügen betrachten. Insofern bietet es sich an das “Programmierergesocks” irgendwie zu klassifizieren. Da wir es hier mit Menschen zu tun haben treffen wir auch in diesem Bereich auf die unterschiedlichsten Gestalten. Das Spektrum der Softwareentwicklerpersönlichkeiten reicht in etwa vom “grauen Buchhaltermäuschen” bis zur “bumsfidelen Edelnutte”.
Die Ameise
Fleißiges Tierchen. Der Ameisentyp oder einfache Arbeiter ist essentiell für jedes Entwicklungsteam. Er ist fleißig, stellt keine Fragen und Coded alles was er soll, sofern er es kann. Massenänderungen zählen zu seinen liebsten Hobbies wobei er dabei ganz gern mal was übersieht. Die Art der Arbeit ist für die Ameise uninteressant. Hauptsache es gibt etwas mit dem man sich möglichst kritiklos auseinandersetzen kann. Die Ameise ist auf gute Führung angewiesen. Mangelnder input führt entweder zu Leerlauf, Depression oder zerstörerischem Aktionismus. Letzeres ist ein massives Problem. Wenn die Ameise keine Arbeit bekommt und sich selbst eine sucht, wird das mit hoher wahrscheinlichkeit dazu führen, dass sie die falsche findet.
Der Initiator
Immer für eine neue Idee zu haben. Sollte er eine Fachzeitschrift mit den neuesten Webtrends in die Finger bekommen wird er versuchen diese Vorzuschlagen. Je nach Persönlichkeitsausprägung wird es das entweder zum richtigen oder zum falschen Zeitpunkt tun. Er macht ab und an mal das eine oder andere Experiment. Abhängig von seiner Freizeitauslastung auch gern mal zu Lasten des laufenden Projekts. Da er sich dessen bewusst ist kompensiert er das ganz gern mit längerer Anwesenheit im Büro. Werden zu viele seiner Vorschläge ignoriert, sei es aus aktuellen Projektzwängen oder anderen Gründen macht ihn das auf dauer unglücklich.
Der Star
Eine Art Heiligkeit im Team. Er kennt jeden schmutzigen Trick und jede unsauber programmierte Ecke des aktuellen Projekts. Ein Guru aktueller Techniken mit massiven Stimmungsschwankungen. Das Team braucht ihn und er braucht das Team. Weil er ein Star ist leistet er sich seine Allüren. Eine ironische Art von Misanthropie schwingt in seinem Blick mit. Er verpasst keinen Softwaretrend und probiert alles aus was er an neuen techniken in die Finger bekommt. Seine Lieblingsbeschäftigung besteht im kurzfristigen durcheinanderwürfeln des Codes seiner Kollegen und der Entwicklung von Prototypen. Häufig sehen seine Programme auch ebenso aus. Wenn Sie das Beta-Stadium verlassen, dann nur deshalb weil er eine Ameise dazu bewegt seine Arbeit vollenden oder das Team ihm Hilft, weil es ihn braucht. Auf die Frage nach einem aufgetretenen Fehler fallen im spontan 38 Lösungswege ein. Er braucht keine geschliffene Dokumentation um sich in einem System zurecht zu finden oder gleich ein neues System zu erfinden.
Der Leader
Wie der Name schon sagt ist er eine ganz gute Führungspersönlichkeit. Gern genommen bei auseinandersetzungen mit dem Auftraggeber und bei der Koordination von unterschiedlichen Aufgaben. Als Menschenfreund vergibt er sowohl der Ameise in ihren Zerstörungsphasen als auch dem Star mit seinen Beta Versionen. Er erkennt zielsicher Teamkonflikte und weiß diese zu schlichten, jedoch führt seine zwischenmenschliche Kompetenz zu teilweise extremen einbußen bei seiner Codingperformance.
Und sonst?
Die Stereotypen werden natürlich noch weiter ausgearbeitet und vervollständigt.
… und wo ist der Netzwerker, der unaufhaltsam bemueht ist, dem Star alles recht zu machen O:-)
Ach und btw. Muss es nicht Programmierergeschmeiss heissen ??? Gesocks hoehrt sich so feinfuehlig und verniedlicht an.
@holmgrein http://tinyurl.com/7om4rk